In seiner Berichterstattung über dieses Tête-à-Tête wollte der ORF dem Geheimnis der Benko’schen Erfolgsgeschichte auf die Spur kommen. Alle Interviewten waren sich darin einig, dass Benko ein fleißiger Arbeiter sei, darüber hinaus ehrgeizig, talentiert und kreativ - alles Eigenschaften, die ihm ein gutes Netzwerk ermöglichen.

Als besonders eloquent in der Formulierung von Lobeshymnen erwies sich der ehemalige Vorsitzende der SPÖ - irgendwann die Partei der kleinen Leute -, Alfred Gusenbauer, mittlerweile Beiratsvorsitzender von Benkos Signa-Gruppe: "Benkos Erfolgsgeschichte ist eigentlich ganz einfach und kein Geheimnis: Die Zahlen müssen stimmen, die Projekte müssen sich gut entwickeln, und tragfähige Finanzierungsformen müssen gefunden werden." Dass Benko 2014 wegen Korruption rechtskräftig verurteilt wurde, blieb nicht nur in diesem Beitrag ausgeklammert. Alle Sozialwissenschafter, die von einer "Refeudalisierung der Gesellschaft" sprechen, haben damit mehr Anschauungsmaterial, als uns lieb sein kann.

Es trifft sich, dass zeitgleich mit diesem hochpersonalisierten gesellschaftlichen Ereignis neue Studienergebnisse zur sozialen Lage der Künstler veröffentlicht worden sind. Warum die Studie fast ein ganzes Jahr lang im Bundeskanzleramt unter Verschluss gehalten wurde, erklärt sich, wenn die Autoren der L&R Sozialforschung von einem medianen Jahreseinkommen von 4500 Euro aus künstlerischen Tätigkeiten berichten. Im Vergleich zu 2008 hat sich just in dem Zeitraum, in dem Benko mit Hilfe seines politischen Netzwerkes sein Imperium errichtet hat, die prekäre Lage von Künstlern weiter verschärft: "Gut ein Drittel der befragten Künstler in Österreich ist mittlerweile armutsgefährdet (bei Berücksichtigung des gesamten Haushaltseinkommens, also sämtlicher Einkünfte aus Erwerbsarbeit, Transfers, Vermögenseinkünfte etc. aller Haushaltsmitglieder)", heißt es in der Studie.

Soziale Lage bestätigt Klischeebildung

Folgt man den Blümel’schen Gerechtigkeitsansprüchen für Leistungswillige, dann hat die Mehrheit der Künstler nicht nur den Schaden, sondern auch den Spott. Ihre durchschnittlichen Einkommensverhältnisse kommen nicht einmal in die Nähe Benko’scher Horizonte. Dazu sind sie in der Konkurrenzgesellschaft dem Verdacht ausgesetzt, keine gute Ausbildung und kein Talent zu haben, weder ehrgeizig noch kreativ und auch nicht gut vernetzt zu sein. Da hilft es wenig, dass Nina Verheyen zuletzt in ihrer Studie "Die Erfindung der Leistung" als ein komplexes gesellschaftliches Zusammenspiel noch einmal die ideologische Aufladung von "Leistung" herausgearbeitet hat; die aktuellen Trends zur sozialen Lage bestätigen die Klischeebildung in einem wachsenden Teil der Bevölkerung, wonach Künstler die herrschende Arbeitsmoral eher unterlaufen denn fördern würden. Das muss wohl auch Blümel so sehen, wenn er seit seinem Amtsantritt erst gar keine Anstalten macht, sich mit den Interessenvertretungen der Künstler zu treffen oder sich mit dringend anstehenden Fragen der Kulturpolitik auseinanderzusetzen.