Er sieht im bereits angesprochenen Interview öffentliche Förderung als "Sprungbrett in die wirtschaftliche Unabhängigkeit". Auf die Frage, ob er damit künstlerischen Erfolg und wirtschaftliche Unabhängigkeit gleichsetzen wolle, antwortete der Kunstminister: "In monetärer Hinsicht schon. Wenn wir von Förderungen sprechen, geht es um Geld."

Kaum Hoffnung auf ökonomischen Erfolg

Und damit hat er recht und gleichzeitig völlig unrecht. Alle verfügbaren Daten zeigen, dass kaum einer der Künstler, die es auf sich nehmen, unter prekären Verhältnissen zu arbeiten, hofft, irgendwann bloß ökonomisch zu reüssieren. Ja, auch Künstler suchen den Erfolg, aber ihren größten Erfolg sehen sie darin, dass ihnen Menschen zuhören, zuschauen, ihre Bücher lesen oder ihre Arbeiten am Bildschirm verfolgen, um daraus Inspiration zu ziehen. Diese Art der Anerkennung kann man nur sehr bedingt kaufen.

Sie wollen nicht mehr von dieser Welt, sie wollen eine andere Welt, in der nicht blindwütig anderen die Ressourcen genommen und für sich selbst angehäuft werden. Sie wollen eine Welt, in der es sich zu leben lohnt und die es künstlerisch auszugestalten gilt. In diesen Tagen stellte die Architektin Anna Heringer in einer Radiosendung anhand des einfachen und billigen Baustoffs Lehm ihre Sicht auf menschliches Zusammenleben vor. Irgendwann meinte sie - fast nebenher: "Der Kapitalismus, der zurzeit immer mehr Fehlentwicklungen gebiert, ist ein historisches Phänomen. Ebenso wie Menschen dieses in die Welt gebracht haben, können sie es auch wieder zu einem Ende bringen."

Als Einladung zur kollektiven Ermächtigung wäre das ein gutes Motto für eine leistungsgerechte Einschätzung der Stellung der Reichen in einer Gesellschaft, in der mehr und mehr Künstler ums schiere Überleben kämpfen.