Michael Haneke ist vielfach preisgekrönter Filmregisseur und Drehbuchautor. - © afp/Scarnici
Michael Haneke ist vielfach preisgekrönter Filmregisseur und Drehbuchautor. - © afp/Scarnici

Hat das internationale Kino eine gemeinsame Zukunft? Was es gemeinsam täglich verändert, ist die Entwicklung technischer Möglichkeiten. Sonst scheinen die Auspizien des Mediums auf den diversen Kontinenten höchst unterschiedlich. Aber bleiben wir in Europa. Was ist denn das - der europäische Film? Wodurch unterscheidet er sich von dem der übrigen Welt? Es gibt in den USA Filmer, die man "europäisch" nennt und die in Europa den Löwenanteil ihrer Zuschauer finden. Denken Sie an Regisseure wie Robert Altman, John Cassavetes, Woody Allen, den frühen Martin Scorsese. Was macht sie europäisch? Und es gibt unter den Europäern jene, die versuchen, Hollywood Konkurrenz zu machen. Letztere scheitern meist. Warum? Was unterscheidet europäische Filme von amerikanischen? Es braucht keinen pessimistischen Ökonomen für eine schnelle und leider auch zutreffende Antwort: ihre wirtschaftliche Ineffizienz. Sie verkaufen sich schlechter.

Die Antwort auf die Frage nach der Ursache dieses Mangels ist ebenfalls schnell: ihre Vielsprachigkeit. Ein Film ohne englische Originalfassung hat auf dem internationalen Markt wenig Chance. Das indische Kino produziert zwar ohne die Weltsprache Englisch noch mehr als Hollywood, aber 1,3 Milliarden Inder garantieren den kommerziellen Erfolg. Die Multikulturalität, die schöne Kehrseite und der eigentliche enorme Reichtum Europas, bietet kein vergleichbares Verkaufsargument.

Ende des europäischen Films?

Der Text ist auch in "Zukunft. Erkennen | Gestalten" (Hg. Hannes Androsch & Peter Pelinka, Verlag Brandstätter) erschienen.
Der Text ist auch in "Zukunft. Erkennen | Gestalten" (Hg. Hannes Androsch & Peter Pelinka, Verlag Brandstätter) erschienen.

Wird das transatlantische Freihandelsabkommen, das seit geraumer Zeit zwischen Europa und den USA verhandelt wird, im Sinne der USA geschlossen, ist dem europäischen Film mit der Abschaffung der Filmförderung ohnehin der Garaus gemacht. Noch hat sich die Filmnation Frankreich starkgemacht, dies zu verhindern. Das letzte Wort hierüber ist aber noch lange nicht gesprochen, und die Wirtschaftsgroßmacht USA wird nichts unversucht lassen, die zwar kleine, aber immer noch lästige Konkurrenz endlich doch aus der Welt zu schaffen. Im Verleihbereich hat sie das ohnehin längst erreicht.

Die gegensätzlichen Positionen der beiden Kulturblöcke sind klar: Amerika betrachtet den Film als Ware - deshalb sind Förderungen seitens eines Handelspartners eine unzulässige Wettbewerbsverzerrung. Europa sieht im Film ein Kulturgut, das es wie Theater, Oper, Museen, Orchester und andere kulturelle Einrichtungen zu fördern und zu erhalten gilt.