Kein rückständiger Kontinent: Gründer wie der Kenianer Kago Kagichiri, der die Online-Bildungsplattform Eneza Education entwickelt hat, stehen für das neue Afrika. - © afp/Tony Karumba
Kein rückständiger Kontinent: Gründer wie der Kenianer Kago Kagichiri, der die Online-Bildungsplattform Eneza Education entwickelt hat, stehen für das neue Afrika. - © afp/Tony Karumba

Der österreichische EU-Ratsvorsitz setzt mit der Großveranstaltung "Hochrangiges Forum Afrika-Europa" zum Thema "Taking cooperation to the digital age" am 17. und 18. Dezember im Wiener Austria Center auf der Bühne der Weltpolitik einen wichtigen Akzent. Paul Kagame, Präsident von Ruanda und Vorsitzender der Afrikanischen Union, und Bundeskanzler Sebastian Kurz als Gastgeber stellen dabei Innovation und Digitalisierung in das Zentrum der Beratungen von Regierungen, Konzernen und innovativen Unternehmen über die künftige europäisch-afrikanische Kooperation.

Aus diesem Anlass soll hier nun eine Lücke in der jüngsten Betrachtung über die Entwicklung Afrikas geschlossen werden: den Platz Afrikas auf der Karte der wirtschaftlichen, politischen und sozialen, von den Bevölkerungen der einzelnen Länder gestützten Werte. Afrika ist keineswegs mehr bloß ein Kontinent des Elends und der Migration, sondern auch ein Kontinent des wirtschaftlichen und sozialen Wandels, des Vormarschs der Freiheit und der Innovation.

Dazu werden auf der Basis von analysierten globalen und frei verfügbaren Meinungsumfragen neue, vergleichbare Indizes für die Entwicklung der globalen Werte erstellt, um zu zeigen, welchen Rückhalt Demokratie und Marktwirtschaft unter den Bevölkerungen der Welt genießen. Der hierzu verwendete "World Values Survey" (WVS), der 1981 gestartet wurde, besteht aus national repräsentativen Umfragen, die einen gemeinsamen Fragebogen verwenden, der in etwa 100 Ländern durchgeführt wird, die etwa 90 Prozent der Weltbevölkerung ausmachen. Afrika ist in diesen Umfragen heute viel besser dargestellt als je zuvor. Erstmals weiß die Sozialwissenschaft, was die Bevölkerung unseres Globus anstrebt.

Die Welt, die aus der globalen Wirtschaftskrise von 2008 hervorgegangen ist und in der Afrika weit mehr ist als Elend, Migration und Ausbeutung, wurde durch den Politökonomen Andre Gunder Frank (1929 bis 2005) schon 1998 prophetisch vorausgesehen. Der Niedergang der euro-atlantischen Arena und die neue wirtschaftliche Dynamik, die sich heute nicht nur auf die Randstaaten des Pazifiks erstreckt, sondern auch auf den Indischen Ozean. Dies hat auch massive Konsequenzen für Afrika.

Die einseitige Fixierung auf die Migration ist ein Irrtum

Betrachtet man oberflächlich die in den Medien veröffentlichte Meinung zu Afrika in Österreich, ist sehr wenig von Start-ups und Digitalisierung, von kompetitiven Wahlen und von neuen Weltklasse-Universitäten, deren Bibliotheken schon besser an globale Netzwerke eingebunden sind als manche bedeutende und alte Universitäten in Österreich, die Rede. Das Bild von Afrika, das die Medien beherrscht, ist fraglos das der Migration, und uns Europäern bliebe, so der eingeschränkte Diskurs, nicht anderes übrig, als - je nach Ideologie - Migration aufzunehmen oder zu stoppen. Diesen Irrtum einer einseitigen Fixierung begehen - in ungewohnter trauter Einigkeit - sowohl die politische Rechte als auch die politische Linke.