Wie der Bericht zeigt, kann von einer Klimakrise gesprochen werden. Schon heute, bei einer durchschnittlichen globalen Erwärmung um 1 Grad - in Österreich bedeutet dies im Jahresdurchschnitt um die 2 Grad, da sich Landmassen und Gebirgsregionen besonders schnell erwärmen -, zeigt der Bericht, dass Meeresspiegelanstieg, Hitze, Dürre und Starkniederschläge zu massiven Schäden führen. Gemäß des Berichts würde jede weitere Erwärmung diese Auswirkungen weiter verschlimmern. Jenseits der angestrebten Erwärmung auf maximal 1,5 Grad über vorindustrielle Werte würde dies bedeuten, dass weitere 500 bis 600 Millionen Menschen Zugang zu Wasserressourcen verlören und etwa 350 Millionen tödlichen Hitzewellen in den Megastädten des Südens ausgesetzt wären. Letztlich würden auch Grenzen der Anpassung erreicht. So käme es bei einer globalen Erwärmung um mehr als 2 Grad zu einem kompletten Verlust tropischer Korallen und ihrer einzigartigen Ökosysteme.

Der Klimawandel ist bei uns bereits in vollem Gange

Nicht nur in den Ländern des globalen Südens, auch bei uns daheim ist der Klimawandel bereits in vollem Gange. Der österreichische Sonderbericht zu Gesundheit, Demografie und Klimawandel des Austrian Panel on Climate Change (APCC - Österreichischer Klimarat) vom heurigen September zeigt, dass sich die Sterblichkeit durch die Zunahme der Hitzetage erhöhen wird. Die Zahl der Hitzetoten in Österreich könnte sich bis 2050 je nach Klimaentwicklung auf 1000 bis 3000 verdreifachen bis verzehnfachen.

Ein Umdenken ist nötig. Sowohl der IPCC- als auch die APCC-Berichte haben gezeigt, dass eine massive Dekarbonisierung, eingebettet in eine gesamtgesellschaftliche Transformation ungeahnten Ausmaßes, schnell umzusetzen ist, damit die Krise nicht zur Katastrophe wird. Es gilt grundsätzlich unsere Mobilitätsmuster, unseren Energieeinsatz in Produktion und Hauswärme sowie unser Konsumverhalten nachhaltig und klimakompatibel zu gestalten.

IPCC und APCC haben geliefert, und das Kattowitzer Regelwerk ist zu Papier gebracht. Die Katastrophe ist vorerst noch einmal verschoben, die Klimakrise bleibt, wie das medienwirksame Auftreten der schwedische Schülerin Greta Thunberg in Kattowitz zeigte, die VIPs wie Arnold Schwarzenegger oder Sir David Attenborough die Show stahl. Die 15-Jährige hatte seit Wochen jeden Freitag ihren Schulbesuch in Stockholm eingeschränkt, um vor dem schwedischen Parlament für mehr Klimaambition zu demonstrieren. Ihr Fazit nach vielen Gesprächen, zu denen sie nach Kattowitz kam: "There is too much small-talking."

Die Bereitschaft zur Veränderung ist vorhanden

Aufrüttelnde Appelle sind wichtig und zentrale Aufgabe derartiger Großveranstaltungen, ohne die der Klimawandel in Zeiten eines abnehmenden Multilateralismus und zunehmenden Nationalismus wohl gar nicht mehr Verhandlungsgegenstand wäre. Viel wichtiger, jedoch ungleich schwieriger ist das weitere Setzen konkreter Aktionen danach. Wie kann also mehr "high-ambition talking and acting" angeregt werden? Es braucht mehr umsetzungsorientiertes Wissen, das partizipativ geschaffen wird. Wie kürzlich die Proteste der "Gelbwesten" gegen die Erhöhung der Spritpreise in Paris zeigten, sind Inklusion und zielgerichtete Kommunikation vor jedweder Implementierung unumgänglich.

Die Bereitschaft zur Veränderung ist vorhanden, und vieles ist auf dem Weg. Die Zivilgesellschaft und auch der private Sektor (etwa Investoren) handeln bereits. Mehr als 1000 Institutionen weltweit haben Investitionsvolumina in Höhe von fast 20 Billionen US-Dollar aus Industrien mit fossilen Brennstoffen abgezogen. In Österreich setzten sich kürzlich mehr als 300 Unternehmen dafür ein, der Energie- und Klimapolitik einen höheren Stellenwert zu geben und auch damit mehr Investitionssicherheit zu erreichen. Die Klimakrise wird hier auch als Chance verstanden, neue Märkte zu eröffnen, tausende Arbeitsplätze zu schaffen und Konjunkturimpulse zu setzen. Ein derartiger "Green New Deal", wie ihn derzeit auch in den USA die Zivilgesellschaft vehement einfordert, kann ein wesentlich sinnvollerer Wirtschaftsimpuls sein, als für die Reparatur von Klimaschäden aufkommen zu müssen.