Hans Harrer ist Vorstandsvorsitzender des Senats der Wirtschaft. - © Richard Tanzer
Hans Harrer ist Vorstandsvorsitzender des Senats der Wirtschaft. - © Richard Tanzer

Das EU-Afrika-Forum in Wien könnte endlich den Boden für eine aktive Unterstützung Afrikas bereiten, um in Zukunft den gesamten Kontinent nachhaltig voranzubringen. Denn nur so werden auch der Zusammenhalt und die Sicherung der Zukunft Europas möglich sein. Die Länder Afrikas benötigen jedoch keine salbungsvollen Worte mehr, sondern wirkungsvolle Taten. Die Herausforderungen sind groß, die Chancen aber ebenso. Wir sollten es rasch angehen.

Mit der aktuellen Migrationsbewegung, die sich noch weiter verstärken könnte, befinden wir uns in einem Prozess neuer Herausforderungen, der alle bisherigen Erfahrungen sprengen könnte. Wir benötigen daher endlich einen mutigen Ansatz, der es möglich macht, in Afrika nachhaltig ausreichend Arbeitsplätze zu schaffen, den Menschen ein ausbalanciertes Einkommen zu ermöglichen und gleichzeitig die Umwelt zu schützen. Hohes Wachstum ist auch in armen Ländern möglich und mit Nachhaltigkeit kompatibel.

Nordafrikas Potenzial für erneuerbare Energieversorgung ist immens. - © afp/Fadel Senna
Nordafrikas Potenzial für erneuerbare Energieversorgung ist immens. - © afp/Fadel Senna

Ökosoziale Marktwirtschaft und erneuerbare Energien

Die Zukunft ist nicht damit zu gewinnen, die Freiheit der Märkte in Frage zu stellen und Isolierungsgedanken zu hegen. Was wir brauchen, sind Offenheit im Denken und die Aktivierung der Kräfte der Märkte, die Klima- und Umweltbelange berücksichtigen und zugleich soziale Balance ermöglichen müssen. Letzteres bedeutet, dass vor allem jene am meisten von der Globalisierung profitieren müssen, die am wenigsten haben, national wie international. Eine ökosoziale Marktwirtschaft ist daher, auch gegen den Widerstand der Status-quo-Profiteure, dringend erforderlich. Wenn es uns nicht gelingt, dies vor allem in Afrika - und da insbesondere in den direkten Nachbarregionen Europas - umzusetzen, sieht die Zukunft auch für uns Europa nicht gut aus.

Die Leitidee des Senats der Wirtschaft ist es daher, einen Marshallplan mit und nicht für Afrika zu schaffen, also eine neue Partnerschaft insbesondere mit den Regionen Nordafrikas und Teilen des Mittleren Ostens, die von den negativen Folgen des Klimawandels besonders stark betroffen sein werden. Für die Zukunft muss man gemeinsam überzeugende Programme entwickeln, um die regionalen Potenziale und Ressourcen zu nutzen und so die Wirtschaft in Schwung zu bringen. Als großer "Joker" im Norden Afrikas dient hier die Sahara, die ein unglaubliches Potenzial für eine erneuerbare und preiswerte Energieversorgung - also die materielle Voraussetzung für Wohlstand - für den gesamten Kontinent birgt. Erkennt und nutzt man solche Möglichkeiten, kann damit der Erfolg eines Marshallplans erzielt werden.

Investitionen in eine Win-win-Situation

Hier ist Europa gefordert, denn all das geht nicht ohne entsprechende Investitionen. Es kann aber eine Win-win-Situation daraus entstehen, denn die Investitionen sollen zum einen die betroffenen Länder wesentlich voranbringen, zum anderen aber auch den Süden Europas in seiner Brückenrolle stark einbinden und somit auch der EU zugutekommen. Nur so kann eine real-ökonomische Wertsteigerung induziert werden, die auch für Europa, vor allem für die südeuropäischen Länder hoch attraktiv wäre. Ein solches Programm könnte den Optimismus zurückbringen und im Ergebnis dann auch wieder eine Situation herbeiführen, in der auf eingesetztes Kapital Zinsen gezahlt werden.