Es geht auch anders - mit starken Lehrern

Starke Lehrer haben keine Angst davor, Eltern klar, deutlich und menschenverträglich wichtige, aber wenig angenehme Fakten zu vermitteln. Zum Thema Leistungsbeurteilung und Elternkontakt hört man dann etwa: "Warum eigentlich Noten? Ich bin mit den Eltern aller meiner Schüler - besonders mit jenen von eher schwierigeren Kindern - stets im direkten Kontakt. Ich mache die Eltern zeitgerecht behutsam, aber deutlich darauf aufmerksam, wenn für das Ziel AHS mehr Lernanstrengung nötig ist. So wissen Eltern und Kinder laufend, wie es um den Lernfortschritt steht. Auf diesem Weg verhindern wir gemeinsam negative Überraschungen." Sie haben sich auf welchem Weg auch immer das notwendige Kommunikationskönnen angeeignet - eine menschenzugewandte und selbstkritische Grundhaltung vorausgesetzt. Ihr Tun muss das künftige Schulsystem und damit die Schulwirklichkeit kommender Schülergenerationen bestimmen.

Es gibt keine zweite Gruppe, die so umfassend wie Lehrpersonen ihr berufliches Tun erklären, legitimieren und verteidigen muss - gegenüber besorgten, oft "bildungspanischen" Eltern, misstrauischen, eifersüchtigen Kollegen, einer kontrollversessenen Schulobrigkeit, der von Fachkräftemangel geplagten Wirtschaft und der schulkritischen medialen Öffentlichkeit. Und jede dieser unterschiedlichen Gruppen ist wiederum in sich heterogen. Da ist der türkische Vater, der die Schule beschuldigt, seinen Sohn zu überfordern, aber sein ebenfalls türkischer Arbeitskollege nervt die Lehrer seiner Tochter, weil sein Neffe in Ostanatolien seiner Einschätzung nach schon wesentlich mehr gelernt hat als sein Kind in der hiesigen Volksschule.

Rechtfertigungszwang und Verlust des Urvertrauens

Woher rühren all diese Probleme, woher kommt dieser beherrschende Rechtfertigungszwang, der auf der Schule lastet? Weite Teile der Öffentlichkeit haben das Urvertrauen in die Schule verloren - auch durch Erfahrungen wie die eingangs geschilderte eines willigen Schülers, der sich aufgrund von Defiziten der Schule schuldlos seiner Ausbildungs-, Berufs- und Lebenschancen beraubt sieht. Eine grassierende Fake-Unkultur wirkt hier als Brandbeschleuniger: Das Wissen, dass heute gut ein Drittel aller in seriösen(!) Wissenschaftsmagazinen publizierten Forschungsergebnisse wegen Mängeln zurückgezogen wird, befeuert den Vertrauensverlust gegenüber öffentlichen Bildungseinrichtungen.