Wie kann dieses Vertrauen zumindest im Schulbereich zurückgewonnen werden? Die Digitalisierung kann dazu keinen Beitrag leisten - der missbräuchliche Umgang mit ihr hat diesen gravierenden Vertrauensverlust nämlich wesentlich mitverursacht.

Nicht Algorithmen oder ausgeklügelte digitale Strategien sind nun gefragt, sondern die Aktivierung des Potenzials von Vertrauensvermittlung, das jeder Mensch in sich trägt - also die Fähigkeit, aufgrund eines stets aktuell gehaltenen Wissensstandes eigene Überzeugungen zu entwickeln und diese erfolgreich, weil menschenverträglich zu kommunizieren. Nicht umsonst gilt: "Der beste Banker ist jener, der dem Kunden den erwünschten Kredit verweigern muss - und dennoch erreicht, dass der Kunde zufrieden die Bank verlässt, weil er den Kreditreferenten als empathische, positive Persönlichkeit erlebt hat." Auf einem unpersönlichen, digitalen Weg ist eine Vertrauen schaffende Kommunikation schlichtweg nicht möglich.

Pädagogen als umfassende Kommunikationsweltmeister

Und die künftigen Lösungen? Ja, die Lehrpersonen der Schule von heute und von jener der Zukunft Müssen umfassende Kommunikationsweltmeister sein, denn Schule betrifft sämtliche Gesellschaftsschichten, die unterschiedliche, aber legitime Zielerwartungen gegenüber der Schule hegen - kritische Bürger, vermögende, die Wirtschaft ankurbelnde Konsumenten, die Abwesenheit von Armut und gewalttätigen Konflikten, risikofreudige Unternehmer, Verhinderung von Unterqualifizierung, sensible und durchsetzungsfähige Führungskräfte, wache Demokraten, vielseitige und flexible Fachkräfte, global denkende und verantwortlich und orientiert handelnde Politiker, Menschen, die aufgrund ihrer ausgeprägten Abstraktionsfähigkeit - Lesen, Schreiben und Rechnen sind die wichtigste Schulung für dieses Können - realistisch Zukunft zu denken, zu planen und zu verwirklichen imstande sind.

Wie lassen sich diese Ziele erreichen? Eine künftige erfolgreiche Pädagogenbildung muss sich konsequent zwei Fragen stellen: Wessen bedarf das Tun der Lehrer vor der Klasse? Und welche pädagogischen Werkzeuge garantieren optimale Wirksamkeit? Was der Gegenstand von Schule sein soll, wozu sie junge Menschen bilden und ausbilden soll und worauf die Schule vorzubereiten hat, ergibt sich aus Summe der legitimen gesamtgesellschaftlichen Zielerwartungen. Unverzichtbar für das Gelingen künftigen Unterrichts aber ist der Status der Lehrpersonen als Kommunikationsweltmeister. Dieses Ziel ist auch realistisch. Dies beweisen schon jetzt tausende Lehrpersonen, die ihre Profession auch trotz der heute oft so schwierigen Umstände als Traumberuf bezeichnen und mit Unbehagen, oft sogar mit Trauer ihrer Pensionierung entgegensehen.

Dass die Schule die genannten Ziele erreicht hat, wird sich dann zeigen, wenn der heute tausendfach anzutreffende, Menschen um ihre positiven Perspektiven betrügende Schulverlauf "Immer alles in Ordnung - aber nichts gelernt" endgültig der Vergangenheit angehört.