Der französische Aufklärer Jean Jacques Rousseau legte 1762 mit seinem Gesellschaftsvertrag ein Fundament für eine demokratische Beziehung zwischen Bürger und Staat. Heute, an der Wende zur globalen Schicksalsgemeinschaft, gilt es einen gemeinsamen Grundkonsens zu formulieren, auf dessen Basis Menschen einander über ethnische, kulturelle und politische Grenzen hinweg gestaltend begegnen, um die eigene Zukunft, die des Lebens überhaupt und die unseres Planeten in Vielfalt zu sichern:

Mensch und Kosmos: Wir, die Menschen der Erde, begreifen uns in Demut als integraler Bestandteil der Schöpfung und bekennen uns zwischen den Kräften von Mikrokosmos und Makrokosmos umso mehr zu unserer Verantwortung dem Wunder des Lebens in all seiner Vielfalt gegenüber.

Mensch und Glaube: Wir, die Religionen der Welt, leben unsere Berufung, den Menschen durch die Liebe im großen Geheimnis des Seins zu verankern und ihm auf diese Weise jenseits der Angst Räume zu eröffnen, sein Leben frei, in Bejahung, Freude und Verantwortung anzunehmen und zu entfalten.

Dialog der Kulturen: Wir, die Kulturen der Erde, achten und entwickeln uns aneinander im Bewusstsein, dass jede Kultur einen Ausdruck des Gemeinschaft gewordenen Strebens des Einzelnen nach seiner Bestimmung verkörpert und die Freiheit des Ich an den Sinn im Wir bindet.

Mensch und Mitmensch: Wir,
die Menschen der Erde, begegnen einander im Bewusstsein unserer Einmaligkeit, Verletzlichkeit und Vergänglichkeit, aber auch Unvollkommenheit in Respekt und Mitgefühl sowie im Bewusstsein darum, wie sehr wir einander bedürfen und gerade dadurch jede/r für jede/n bedeutend ist.

Kunst und Leben: Wir, die Künstlerinnen und Künstler der Erde, geben dem Leben eine Stimme, damit es sich in seiner Besonderheit, Komplexität und Fragwürdigkeit erfahre und in Auseinandersetzung, Dialog, Mit- und Aneinander umso bewusster entwickle.

Forschung: Wir, die Wissenschafterinnen und Wissenschafter der Erde, helfen dem Menschen, sein Leben zu gestalten - in Staunen, im Verstehen, in Sicherheit und als Fortschritt, bei dem der Einzelne als Suchender, unterwegs Seiender und Gestaltender mit der Welt wechselwirkend in einen kreativen und konstruktiven Dialog treten kann.

Politik und Entscheidung: Wir, die Politikerinnen, Politiker und Entscheidungsträger dieser Welt, bekennen uns zu unserer Aufgabe, die Vielfalt der Welt und ihrer Prozesse so zu kommunizieren und zu strukturieren, dass möglichst alle Menschen in die Lage versetzt und ermächtigt werden, im Reich des Möglichen ihre spezifischen Ziele zu finden und zu bestimmen, um in Verwirklichung ihrer selbst zugleich die Gemeinschaft der Menschen im Geist der Subsidiarität zu befördern.

Mensch - Arbeit - Wirtschaft: Wir, die Wirtschaftstreibenden dieser Welt, bekennen uns zu unserer Aufgabe, das Leben zu erhalten; zu unserer Berufung, die Einzelnen in Entfaltung ihrer Talente durch Arbeit Wege zu Entfaltung und Sinnstiftung eröffnen zu lassen; und dies auf eine Weise, die den Menschen als Natur- und Kulturwesen versöhnt.

Arm und Reich: Wir, die Glücklichen und Wohlhabenden dieser Welt, empfinden es als Bedürfnis, unseren Überfluss gerecht zu teilen, damit alle ohne Not und Verzweiflung das Geschenk des Lebens in Dankbarkeit annehmen und im Dienst am Leben der Welt ihre Wunder zurückgeben können.

Globale Schicksalsgemeinschaft: Wir Menschen auf dem Weg in die digital interagierende globale Schicksalsgemeinschaft bekennen uns dazu, Grenzen, die andere Menschen, Kulturen, die anderes Leben uns setzt, zu respektieren, um innerhalb dieser Grenzen unsere Möglichkeiten schöpferisch zu entfalten und über diese Grenzen hinweg in respektvollen Dialog und Umgang zwischen Identitäten eintreten zu können.

Geheimnis Mensch: Wir, die Menschen der Welt, nehmen in Staunen und Dankbarkeit an, dass wir einander im Innersten Geheimnis bleiben, weil gerade darin unsere Würde begründet liegt und der Schlüssel dafür, uns in Respekt zu begegnen - aber auch dafür, uns verzaubern zu lassen als Berührung des Endlichen mit dem Unendlichen in uns.