Schächtung eines Huhns. - © cc/Yofial
Schächtung eines Huhns. - © cc/Yofial

In einem interessanten Kommentar warf Alexia Weiss kürzlich die Frage auf, wie es wohl das in Vorbereitung befindliche Tierschutzvolksbegehren mit dem Schächten halten werde. Die jüdische Gemeinschaft sorge sich, dass ihre freie Religionsausübung durch ein Schächtverbot beeinträchtigt werden könnte. Es sei nicht klar, in welche Richtung das Volksbegehren die Debatte beeinflussen werde. Einerseits hätte ich als ehemaliger Tierschutzsprecher einer Parlamentspartei und nunmehr Geschäftsführer des Tierschutzvolksbegehrens betont, dass echter Tierschutz nicht mit Rassismus vereinbar sei, und die Schächtdebatte abgelehnt. Auch, weil sie für die fremdenfeindliche Agenda von FPÖ-Politikern missbraucht werde - wie es die Nationalsozialisten vor ihnen taten, um Juden zu drangsalieren. Andererseits hätte ich vor der Nationalratswahl angegeben, dass die Vermeidung von Tierleid für mich Priorität habe. Also was nun?

Eine berechtigte Frage, die es für mich zu beantworten gilt, auch wenn das nicht ganz einfach ist. Denn ich möchte der Präsentation unserer Forderungen nicht vorgreifen. Das wäre den Expertinnen und Experten gegenüber unfair, die lange und intensiv an ihrer Erstellung gearbeitet haben und zu Recht darauf verweisen, dass die Inhalte ein ineinandergreifendes Paket darstellen, das als solches vorgestellt und erörtert werden müsse. Es ist aber für mich inakzeptabel, dass Menschen sich sorgen, ob ihre freie Religionsausübung durch ein Volksbegehren beeinträchtigt werden könnte. Gegenüber der jüdischen Gemeinschaft verspüre ich hier als Österreicher eine besondere Verantwortung. Noch mehr, weil ich selbst Nachkomme von Opfern des Faschismus bin. Daher habe ich mich entschieden, diesen Punkt vorab zu klären.

Tiere sind als fühlende Wesen in der Verfassung anerkannt

Sebastian Bohrn Mena ist Ökonom und Volksbildner. Nach seinem Ausstieg aus der Politik im Sommer 2018 (er war erst bei den Grünen und dann bei der Liste Pilz tätig) bereitet er nun als Geschäftsführer eines gemeinnützigen Vereins ein Tierschutzvolksbegehren vor: www.tierschutzvolksbegehren.at. - © Sascha Osaka
Sebastian Bohrn Mena ist Ökonom und Volksbildner. Nach seinem Ausstieg aus der Politik im Sommer 2018 (er war erst bei den Grünen und dann bei der Liste Pilz tätig) bereitet er nun als Geschäftsführer eines gemeinnützigen Vereins ein Tierschutzvolksbegehren vor: www.tierschutzvolksbegehren.at. - © Sascha Osaka

Für mich persönlich steht das Tierwohl im Jahr 2019 über dem Recht der freien Religionsausübung. Wir sollten die rituelle Schlachtung endlich überwinden. Es ist für mich unerträglich, dass der Glaube höher stehen soll als das Wohl von fühlenden Wesen. Als solche anerkennen wir Tiere in unserer Verfassung. Sie sind Mitgeschöpfe, die zu schützen wir uns verpflichtet haben. Wenn wir das ernstnehmen, und das sollten wir, dann können wir auch nicht Praktiken tolerieren, die das Leid der Tiere vergrößern, bloß weil die aus ihren Körpern erzeugten Produkte nach Vorstellung von manchen sonst "unrein" wären. Das ist für mich nicht logisch begreifbar und auch nicht mit meinem Mitgefühl vereinbar. Wir haben uns als Gesellschaft über die Jahre weiterentwickelt und sind gefordert, das auch im Umgang mit Tieren zu tun.