Die Politik Europas war 2018 geprägt von der Bildung der ersten populistischen Regierung auf dem Kontinent. Was wird uns 2019 wohl bringen? Die Koalition der Lega mit der Fünf-Sterne-Bewegung ist eine Weltpremiere. Dadurch wurde Italien noch einmal ein Experimentierfeld für politische Phänomene, die in anderen Ländern imitiert werden könnten - wie dies mehrmals in der Geschichte geschehen ist. Schon einmal erachtete man eine verhängnisvolle italienische Erfindung, den Faschismus, zunächst als Farce. Bald erwies sie sich jedoch als tragisch für ganz Europa. Ein kurzer Blick auf dieses aktuelle populistische Abenteuer diene uns als Warnung für 2019.

Seit Jahrhunderten Heimat der Liebe und Schönheit, wird Italien zunehmend zur Heimat des Hasses. Ein Klima von unsäglicher Anfeindung verbreitet sich im Land. Maßgebende Regierungsvertreter appellieren buchstäblich an die "bestialischen" Instinkte ihrer Wählerschaft. Als Beispiel diene "Befreie das Biest in dir" - eine vom italienischen Innenminister, stellvertretenden Premier und Lega-Chef Matteo Salvini verbreitete Hetze. Dies ist ein erschreckender Aufruf seitens des Verantwortlichen für Sicherheit und Ordnung. Diese brandstiftende Aufforderung steht gerade in der Kopfzeile von "Il Populista", dem von Salvini gegründeten Zentralorgan der Lega sowie in der Kopfzeile seiner Facebook-Seite. Das zu befreiende Biest - quasi ein Logo - ist abgebildet in Form einer bedrohlichen Wolfsschnauze mit gelben Augen und dem Untertitel: "Frech, instinktgeladen, außer Kontrolle."

Ähnlich greift der Lega-Abgeordnete Giuseppe Bellachioma die Untersuchungsrichter von Salvini an: "Hände weg vom Capitano (Salvini, Anm.), sonst warten wir auf dich vor deiner Haustüre. Pass auf!" Und auch die Aussage des zweiten stellvertretenden Ministerpräsidenten Luigi Di Maio (Fünf-Sterne-Bewegung) ist erschreckend: "Der Vater des Jobs Act ist ein politischer Mörder." Mit dieser Prahlerei scheint Di Maio die Rachsucht der Bevölkerung gegen Ex-Premier Matteo Renzi von der Demokratischen Partei, den Autor der "Jobs Act" genannten italienischen Arbeitsmarktreform, zu nähren. Als "politische Kriminelle" bezeichneten in Italien denn auch die Roten Brigaden ihre Opfer.

Zunehmend gewalttätiger Rassismus

Wer glaubt, dass Hunde, die bellen, nicht beißen, irrt sich. Der Journalist Luigi Mastrodonato erstellte und aktualisiert laufend eine interaktive Karte der Rassistischen Übergriffe seit 1. Juni 2018, dem Amtsantritt der Regierung aus Lega und Fünf-Sterne-Bewegung. Man findet dort die Tatorte und entsprechenden Berichte zu den einzelnen Gewaltausbrüchen: Bis 22. Jänner 2019 gab es 105 gewaltsame Überfälle, zwei davon tödlich. Fast jeden zweiten Tag wurden eine oder mehrere Personen, oft dunkelhäutiger und außereuropäischer Herkunft, attackiert: mit Faustschlägen, Eisenstangen, Waffen, manchmal sogar begleitet vom Ausruf "Salvini, Salvini" wie am 11. Juni 2018 in Caserta (Campania). Am 3. Februar 2018 verletzte der vormalige Lega-Kandidat Luca Traini in Macerata (Marche) mehrere schwarze Immigranten mit Revolverschüssen. Die Situation in Italien ist so gravierend, dass die UNO eine Untersuchung zu den zunehmenden rassistischen Übergriffen in die Wege geleitet.