Gerfried Sperl war bis 2007 Chefredakteur des "Standard" und anschließend zehn Jahre lang dessen Kolumnist. Er ist Herausgeber der Booklet-Reihe "Phoenix". - © apa/Hbf/Dragan Tatic
Gerfried Sperl war bis 2007 Chefredakteur des "Standard" und anschließend zehn Jahre lang dessen Kolumnist. Er ist Herausgeber der Booklet-Reihe "Phoenix". - © apa/Hbf/Dragan Tatic

"Wir wollten ihn dazu bringen, ständig vom Bau einer Mauer an der Grenze zu Mexiko zu sprechen", erinnert sich Roger Stone, ein höchst umstrittener Politikberater in der "New York Times" an den Herbst 2014. Es klappte tatsächlich. Ihm und einem zweiten Berater, Sam Nunberg, gelang es, den Baulöwen Donald Trump zu überzeugen, die Einwanderungsfrage zum zentralen Thema seines Wahlkampfes für die US-Präsidentschaft zu machen. Die Begeisterung Trumps für das Projekt wuchs von da an beständig.

Stone war nicht lange direkter Berater Trumps, aber er spielt bis heute eine undurchschaubare Rolle bei den Russland-Verbindungen des Trump-Teams und hat bei den Versuchen, Hillary Clintons Kampagne zu diskreditieren, unrühmlich agitiert. Der "Windhund" Nunberg wurde zwischen 2014 und 2016 von Trump mindestens viermal gefeuert und dann wieder engagiert - weil er offenbar zu viel wusste und in Sachen "Russian connections" auch mehrmals vor Gericht aussagen musste.

Wenn der ultimative Gag im Vordergrund steht, eine "Trump Wall" neben dem "Trump Tower" in den Büchern der Baugeschichte, dann ist von Anfang an der Adrenalinspiegel mächtiger als die Vernunft. Über 3100 Kilometer würde sich diese Mauer erstrecken, nur die Chinesische Mauer mit ihren 21.500 Kilometern behielte ihre historische Alleinstellung. Dagegen war die Berliner Mauer (die 28 Jahre hielt) mit ihrer Ausdehnung über die damalige DDR hinweg mit ihren 267,5 Kilometern eine kurze, jedoch historisch folgenschwere und opferreiche Barriere.

Warnschild auf der mexikanischen Seite der US-Grenze. - © afp/Guillermo Arias
Warnschild auf der mexikanischen Seite der US-Grenze. - © afp/Guillermo Arias

Mehr ausreisende als einreisende Mexikaner

Seit 1850 sind zwar 12 Millionen Mexikaner über die Grenze gekommen, doch seit 2012 ist der Zustrom praktisch versiegt. Mittlerweile werden mehr ausreisende als einreisende Mexikaner gezählt. Was Trump propagandistisch ausnutzt, sind die Immigranten aus den Staaten südlich von Mexiko. Doch diese Migration sei beherrschbar, argumentieren Einwanderungsexperten: Zäune und elektronische Überwachung gebe es ja, die Grenzgarde verfüge über 6000 Leute. Man sollte sie aufstocken, geben die Demokraten zu. Vor allem, um den kleinräumigen Drogentransfer besser in den Griff zu bekommen - den großräumigen könne selbst eine Mauer nicht stoppen.

John F. Kelly, der zu Jahresbeginn gefeuerte Stabschef des Weißen Hauses, geriet mit Trump wegen des Mauerbaus in permanenten Streit, weil er in Interviews ausgeplaudert hatte: "Wir überlegen auch die Variante eines hohen Zauns." Was Trump erboste: "Nein, es wird eine Betonmauer", twitterte er.