Martin Chmaj ist alsBörsenanalyst unteranderem für den Online-Broker GKFX tätig. Alle Beiträge dieserRubrik unter:www.wienerzeitung.at/gastkommentare - © FOTOGRAFIE GABY HOESS
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Das Jahr 2018 wurde an den Börsen von der Politik beherrscht. Allem voran der Handelskonflikt zwischen den USA und China hat die Anleger zur Zurückhaltung verdammt. Zudem sorgten Italiens Schuldendebatte mit der EU und natürlich
der langwierige Brexit-Prozess für weiteren Zündstoff und erhöhte Nervosität auf den Börsenparketts.

Es war das erste Mal seit 2011, dass der deutsche Leitindex DAX in einem Kalenderjahr keinen Gewinn einfahren konnte. Das Jahresminus von 18,3 Prozent ist sogar der höchste Abschlag seit 2008 (damals rauschte der DAX allerdings um gut 40 Prozent nach unten).

Auch 2019 dürfte der Handelskonflikt das Börsengeschehen dominieren. Sollten die USA und China jedoch einen Kompromiss finden, mit dem die Kapitalmärkte leben können, ist mit einem kräftigen Sprung nach oben zu rechnen. Im Klartext: Kehrt die Zuversicht wieder zurück, dann könnten Aktien ganz schnell wieder an Attraktivität dazugewinnen. Angesichts der unverändert sehr niedrigen Geld- und Kapitalmarktzinsen besteht nach wie vor ein Mangel an Anlagealternativen zu Aktien. Die meisten Volkswirte erwarten erst 2020 die erste Leitzinserhöhung in der Eurozone. In den USA hat die Notenbank die Wende bereits eingeleitet und die Leitzinsen vorsichtig angehoben.

Eine allenfalls aufkommende Euphorie muss jedoch gleich wieder ein wenig gedämpft werden. Denn die Signale für die Weltwirtschaft deuten auf ein Ende der fetten Jahre hin. Die Konjunktur in China ist auf den tiefsten Stand seit drei Jahrzehnten gefallen, der Zollstreit und der Brexit belasten exportstarke Unternehmen. Am heftigsten hat es die deutsche Automobilindustrie getroffen. In China war der Autoabsatz 2018 das erste Mal seit 20 Jahren wieder rückläufig. 2019 könnte sich dieser Abwärtstrend weiter fortsetzen.

Es zeigt sich, dass manch rasanter Kurszuwachs in den vergangenen Jahren zum großen Teil dem billigen Geld zu verdanken war. Das beste Beispiel ist das Vorzeigeunternehmen Apple. Über Jahre ging es für den iPhone-Konzern nach oben. Im Oktober 2018 war das Unternehmen sogar eine Billion Dollar wert und erreichte damit wohl seinen Zenit. In den folgenden Monaten ging es dann rasant nach unten, was dazu führte, dass Apple vom Rekordbörsenwert innerhalb von drei Monaten gut
400 Milliarden Dollar wieder abgegeben hatte. Vor allem der Umsatzrückgang in China macht dem Kurs nach wie vor zu schaffen. Und da haben wir es wieder: Der Handelskonflikt spielt eine gewichtige Rolle an den Finanzmärkten.

Vorsicht ist geboten, denn die wichtigsten Indizes befinden sich weiterhin in einem intakten Abwärtstrend. Es lohnt sich also auch, einen Blick auf die Rohstoffe - vor allem auf Gold - zu werfen. Das Edelmetall wird in unsicheren Zeiten vermehrt aufgesucht. Je turbulenter es an den Märkten zugeht, desto mehr gewinnt der sichere Hafen an Bedeutung. In Anbetracht der momentanen Situation sollten sich Anleger jedenfalls auf das Wesentliche konzentrieren: die Positionsgrößen herunterfahren, mehr Geld zurücklegen und ihr Anlagevermögen auf mehrere Assetklassen verteilen.