Behrouz Khosrozadeh ist Politikwissenschafter iranischer Herkunft und Lehrbeauftragter am Institut für Demokratieforschung der Universität Göttingen. Er hat als einer von 246 Länderexperten am Transformationsindex der Bertelsmann Stiftung mitgewirkt. - © privat
Behrouz Khosrozadeh ist Politikwissenschafter iranischer Herkunft und Lehrbeauftragter am Institut für Demokratieforschung der Universität Göttingen. Er hat als einer von 246 Länderexperten am Transformationsindex der Bertelsmann Stiftung mitgewirkt. - © privat

Am 11. Februar 1979 siegte die Iranische Revolution unter der Führung von Ayatollah Ruhollah Chomeini. Sie begann mit "Taqiyya" (Täuschung), einem islamischen Prinzip defensiven Charakters: Demnach dürfen Muslime lügen und ihren Glauben verheimlichen, um zu überleben, wenn sie sich als Minderheit in einem "ungläubigen Umfeld" befinden. Auch die Schiiten, etwa 10 Prozent der Muslime, haben von diesem Prinzip Gebrauch gemacht. Unter Obhut der sunnitischen Herrschaft (etwa 90 Prozent der Muslime) durften sie lügen, um ihr Leben zu schützen.

Ayatollah Chomeini stellte dieses Prinzip auf den Kopf. Er verhieß von seinem Pariser Exil aus den Iranern den Himmel auf Erden: die Gleichberechtigung von Mann und Frau, Presse- und Meinungsfreiheit auch für Kommunisten, einen Staatsapparat frei von Klerikern und seinen persönlichen Rückzug nach Ghom, ins schiitische Zentrum des Iran.

Doch das Gegenteil war der Fall. Die relativ friedlich gewonnene Revolution wurde fortan blutig. Täglich sah man die von Kugeln zerschmetterten Körper der exekutierten Funktionäre des Schah-Regimes auf den Zeitungsseiten. Wenige Monate später drohte Chomeini in einer Ansprache, der kritischen Presse und ihren Journalisten das Handwerk zu legen. Auf die Nachfrage des ersten liberalen iranischen Präsidenten Abolhassan Banisadr - "Wo bleiben die Pariser Versprechungen?" -, antwortete der Ayatollah: "Ich bin nicht verpflichtet, mich an das zu halten, was ich gestern gesagt habe, geschweige denn vor Monaten." Weniger als drei Jahre nach der Islamischen Revolution waren alle Oppositionellen, die dem Ayatollah zum Sieg verholfen hatten, hingerichtet, inhaftiert oder aus dem Land gejagt, einschließlich Ex-Präsident Banisadr (seine Amtszeit dauerte vom 25. Jänner 1980 bis zum 21. Juni 1981), der seither im Pariser Exil lebt.

Nachwirkungen
des Coups von 1953

Die Erinnerung an Ayatollah Chomeini ist im Iran bis heute präsent. - © Morteza Nikoubazl
Die Erinnerung an Ayatollah Chomeini ist im Iran bis heute präsent. - © Morteza Nikoubazl

Dabei hatte kaum jemand den Sturz der Monarchie auf der Rechnung. Der Schah regierte das Land autoritär-säkular, dennoch schien der Iran eine "Insel der Stabilität in einer unruhigen Umgebung" zu sein, wie es US-Präsident Jimmy Carter formulierte. Wirtschaftsexperten bescheinigen der Monarchie zwischen den 1960er und 1970er Jahren eine der glorreichsten Entwicklungen der Welt. Auf seine Öleinnahmen gestützt, durchlief der Iran damals eine rasante industrielle Entwicklung und wurde so zur fortschrittlichsten Ökonomie Westasiens und zur stärksten Militärmacht in Nahost.

Korruption und Ungereimtheiten waren Bestandteil des kaiserlichen Umfeldes, das rurale Milieu wurde zugunsten der Verstädterung vernachlässigt, aber was den Revolutionären nicht bewusst war, war die Tatsache, dass auch bei einer blühenden Wirtschaft
16 Jahre ein knapper Zeitraum sind, um Urbanisierung, Industrialisierung und Wohlfahrt des Ruralen voranzutreiben.