Die Anhörung von Michael Cohen, seinem ehemals engsten Vertrauten, schwebte ständig über unseren Gesprächen. Der demokratische Senator Bob Menendez, lange Jahre Vorsitzender des Außenpolitischen Ausschusses ("Ich bin ein Transatlantiker!"), kam etwa nicht umhin zu ätzen, dass beim Hearing im Abgeordnetenhaus mehr Kamerateams anwesend wären als bei einer Königshochzeit (und man sah ihm die Genugtuung darüber deutlich an).

Der Abgeordnete Mark Meadows wiederum eilte zwischen unserem Meeting und Michael Cohens brisanten Auftritt hin und her. Als er am späteren Nachmittag nochmals bei uns auftauchte, wussten wir nicht, dass er inzwischen in eine veritable Rassendiskussion verwickelt war, die ihn den Tränen nahe gebracht hatte.

Noch ein Auftritt war bemerkenswert. Nancy Pelosi, die mächtige Sprecherin (hier würde man sagen: Präsidentin) des Abgeordnetenhauses, sprach zu uns im ornaten Speisesaal der "Library of Congress". Mittlerweile war auch Antonio Tajani, quasi ihr Gegenüber im Europäischen Parlament, hinzugestoßen. Während auch sie sich zum transatlantischen Dialog bekannte und Trumps Anti-EU-Rhetorik zurückwies, ließ sie vor allem mit einem Satz aufhorchen: Anspielend auf den latenten Antisemitismus in Europa sagte sie wörtlich: "Es gibt einige Länder, die würden es (jetzt) nicht in die EU schaffen, wenn man sieht, welcher Hass dort verbreitet wird. Ungarn ist eines davon."

Das anschließende Getuschel unter den anwesenden Europäern, das, je nach Parteizugehörigkeit, zwischen Zustimmung und Empörung über diese US-Einmischung schwankte, war unüberhörbar. Und so bekam Tajani, ein einflussreiches Mitglied der Europäischen Volkspartei, diesmal aus den USA indirekt zu hören, dass Viktor Orbán in der EVP nichts mehr verloren hat. Verglichen mit den USA ist Ungarn freilich eher ein "Ein-Personen-Land".

Und noch ein Fazit, das wir aus unseren Gesprächen gezogen haben: Ein Kurz-Besuch im Weißen Haus ist zwar gut fürs Ego, reicht aber nicht, um für die EU Stimmung zu machen. Unsere Verbündeten sitzen - auch, wenn sie nicht in allem mit uns übereinstimmen - ganz eindeutig im US-Kongress.