Europa, das nie ein Zentralstaat
sein kann, lebt aus der kulturellen Vielfalt. Das ist die eine Säule. Die andere Säule ist der Wettbewerb. Dieser kann als Bürge für Freiheit und Verantwortung angesehen werden. Es ist kein Zufall, dass beides in der Europäischen Union abgebaut wird. Die EU ist ein Paradoxon. Das unter dem Motto "Einheit durch Vielfalt" selbst definierte Staatenbündnis ist eine institutionalisierte Auflösung der Vielfalt Europas und vertritt dessen Zentralisierung und Gleichschaltung.

Bezüglich Währungen hat Europa den Wettbewerb abgebaut. Als noch der Währungswettbewerb aktiv war, war jedes Land nur für seine eigene Währung verantwortlich; die Währung war ein Synonym für die Leistungsquittung der eigenen Nation. Ging es mit der Währung bergab, dann wusste jeder, dass in diesem Land schlechte Politik gemacht wurde. Diese erfuhr ihre Rechnung in der Annäherung an den Staatsbankrott, der mit der Abwertung der Währung gestoppt werden konnte. Wenn aber eine Volkswirtschaft, die solide arbeitet, dieselbe Währung wie ein fast bankrottes Land hat, verkommt das Ganze immer mehr zur Farce. Nicht umsonst haben die EU-Gründungsväter die kollektive Währungspolitik nicht berührt. Abwertung war einst ein Warnsignal; Abwertung ist heute ein Abgrund für alle, die dieselbe Währung haben.

Die EU schmückt sich mit fremden Federn. Es heißt, man müsse der Europäischen Union dafür danken, dass es in Europa keine Kriege mehr gibt. Das ist nur bedingt richtig. Es ist auch die Erfahrung der Menschen aus zwei sinnlosen Weltkriegen, dass Krieg nur Elend, Verderben und Not bringt. Als Alternative gibt es mit dem Frieden nur eine Lösung. Dazu braucht es aber keine EU, denn das sagt den Menschen der Hausverstand.

Und etwas wird gerne verschwiegen: Wo war die EU bei den Befreiungsbewegungen des vergangenen Jahrhunderts? Die Apathie war groß, als sich Portugal von der Diktatur befreite, Michail Gorbatschow bei der Perestroika um Unterstützung bat, Polen den Weg der Solidarnosc beschritt und in Ostdeutschland die Menschen in Montagsdemos gegen die kommunistische SED-Diktatur friedlich auf die Straße gingen. Die EU hat keine einzige dieser Befreiungsbewegungen unterstützt. Das darf man nicht vergessen.

Wir begegnen in der EU auch nicht unbedingt der Demokratie. Sie kann schon allein deshalb keine Demokratie werden, weil es keinen identischen Souverän geben kann. In der Demokratie lebt das Volk in seinen Traditionen, Staaten, Organisationen und Institutionen. Vielfalt und Wettbewerb müssen auch in der Politik Platz haben. Ähnlich verhält es sich mit dem Gebrauch des eigenen Verstandes.

Dass der Verstand des Menschen mitunter leicht manipulierbar ist, ist offenkundig. Trotzdem dürfen wir uns von einer Institution, die primär für die Sicherung des Friedens zuständig ist, nicht manipulieren lassen. Es ist bedeutsam, sie kritisch zu hinterfragen und skeptisch zu bleiben. Die Geschichte hat gezeigt, was passieren kann, wenn man sich von den demokratischen Grundregeln entfernt und zu sehr gleichgeschaltet denkt oder die Menschen zu sehr manipuliert.