Stichwort Masern: Brauchen wir für mehr Gesundheit mehr (staatliche Impf-)Pflicht oder mehr Eigenverantwortung? Hinter der Debatte über die Impfpflicht steht letztlich eine persönliche wie gesellschaftliche Haltungsfrage: Beteiligen wir uns mehr an den Themen, die uns betreffen - oder lassen wir andere über uns entscheiden? Und damit verbunden: Übernehmen wir selbst mehr Mitverantwortung für andere?

Wer sich in unserer Gesellschaft umsieht, bemerkt rasch: Partizipation und Beteiligung werden für viele Menschen immer wichtiger. Dabei geht es sehr oft darum, aus einer eigenen Betroffenheit heraus Probleme für sich und andere zu lösen. Neue Technologien fördern und fordern diesen Trend. Noch nie war es so einfach, sich mit anderen Menschen zu vernetzen, Wissen zu teilen und anzuwenden.

Das gilt auch für unsere Gesundheit: Oft sind es betroffene Patienten oder Angehörige, die smarte Gesundheitsapps entwickeln und so für viele Betroffene alltagstaugliche Erleichterungen schaffen - zielsicherer, als es die meisten öffentlichen Entwicklungsprogramme könnten. Eine breite Beteiligungsgesellschaft fördert damit die Weiterentwicklung des Gesundheitswesens. Das ist auch dringend geboten. Denn das traditionelle Gesundheitswesen stößt an seine Grenzen. Die Bevölkerungsentwicklung hin zu einer demografisch alten Gesellschaft erhöht Aufwand und Kosten.

Michael Heinisch ist Geschäftsführer und Vorsitzender der Geschäftsleitung der Vinzenz Gruppe. - © Vinzenz Gruppe/P. Mayr
Michael Heinisch ist Geschäftsführer und Vorsitzender der Geschäftsleitung der Vinzenz Gruppe. - © Vinzenz Gruppe/P. Mayr

Wir geben in Österreich - im internationalen Vergleich - schon heute sehr viel für Gesundheit aus, aber unsere Lebensjahre in Gesundheit sind im internationalen Vergleich deutlich weniger als anderswo. Gerade die enorme Zunahme chronischer mit unserem Lebensstil verbundenen Krankheiten fordert neue Zugänge für mehr Gesundheit in der Gesellschaft.

Das Beteiligungsprinzip hat für unser Gesundheitswesen bei richtiger Dosierung und Umsetzung gleich doppelte Wirkung:

Es fördert die Eigenverantwortung jedes Einzelnen, Verantwortung für die eigene Gesundheit wahrzunehmen und Erkrankungen besser vorzubeugen. Dies ist dank neuer Technologien und Lösungen einfacher und besser denn je möglich.

Es schafft ein neues Miteinander und Füreinander. Bisher "sharen" wir Informationen, Wohnungen und Autos. Wie kraftvoll wäre es, wenn wir auch in Sachen Gesundheit füreinander denken und miteinander entwickeln würden.

Aber es geht nicht nur um ein Miteinander der Betroffenen, um die großen Herausforderungen im Gesundheitswesen zu bewältigen. Das Beteiligungsprinzip bedeutet auch eine ideologiefreie Zusammenarbeit zwischen den unterschiedlichen Akteuren und Institutionen des Gesundheitswesens.

Medizinisches Wissen verdoppelt sich heute bereits alle 4,5 Jahre. Akteure und Dienstleistende des Staates, private Anbieter und der Non-Profit-Bereich müssen daher neu und besser zusammenarbeiten. Damit wird vieles möglich - und bleibt leistbar. Aktuelle Beispiele für intelligente Beteiligungen und Kooperationen mit öffentlichen und privaten Partnern sind etwa das Oberösterreichische Tumorzentrum oder das Vienna Cancer Center. Damit bringen wir zusammen, was für die Patienten zusammengehört.

Die Zukunftsperspektive ist klar: Innovative Netzwerke und kluge Beteiligung schaffen gänzlich neue Zugänge und Lösungspotenziale für mehr und sichere Gesundheit. Wir brauchen dafür nicht immer mehr neue Regeln und Gesetze, sondern eine gemeinsame Haltung, die Eigenverantwortung und Beteiligung im Interesse des Gemeinwohls mobilisiert und nutzt. Das macht uns alle gesünder und fitter für die Zukunft.