- © Ernst Weingartner/picturedesk.com
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Steuerpolitik ist viel mehr als das einfache Generieren von Einnahmen zur Finanzierung des Staatshaushaltes. Temporäre und auch langfristige wirtschaftliche Entwicklungen werden maßgeblich vom Steuersystem eines Landes beeinflusst. Denn Steuern wirken sich auf Entscheidungen von Individuen, Familien und Unternehmen aus. Je nach Ausgestaltung einer Steuerreform kann sich die wirtschaftliche Situation eines jeden Einzelnen verbessern oder aber auch der wirtschaftliche Erfolg vieler verhindert werden.

In Diskussionen um Steuerreformen ist es deshalb essenziell, genau diese Effekte von Steuern auf das wirtschaftliche Wohlergehen von Individuen, Familien und Unternehmen im Auge zu behalten. Zur Verbesserung des Wirtschaftsklimas analysiert die österreichische Regierung verschiedene Konzepte zur Reform der Unternehmensbesteuerung.

Solch eine Steuerreform, welche wir vom "Friedrich A. von Hayek Institut" und der "Tax Foundation" in einer neuen Studie präsentieren, wäre ein wichtiger Schritt in Richtung einer Stärkung der österreichischen Wirtschaft. Denn laut der OECD wirken sich Unternehmenssteuern besonders negativ auf das Wirtschaftswachstum eines Landes aus. Geringe Wachstumsraten führen wiederum zu niedrigeren Löhnen, weniger Beschäftigungsmöglichkeiten und größeren Barrieren für Unternehmer.

Kai Weiß ist Vorstandsmitglied beim Hayek Institut und wissenschaftlicher Mitarbeiter des Austrian Economics Center. - © Judd Weiss
Kai Weiß ist Vorstandsmitglied beim Hayek Institut und wissenschaftlicher Mitarbeiter des Austrian Economics Center. - © Judd Weiss

Hohe Unternehmenssteuern schrecken Investoren ab

Im Laufe der vergangenen Jahrzehnte haben viele Staaten weltweit eine wichtige Lehre gezogen: Hohe Unternehmenssteuern schrecken Investoren ab und folglich können keine Arbeitsplätze gewonnen und Löhne nicht gesteigert werden. Bei der Unternehmensbesteuerung ist ein gesamtheitlicher Ansatz von großer Bedeutung. Während sich politische Entscheidungsträger oft nur auf eine Reduzierung des Körperschaftsteuersatzes fokussieren, spielt die Festlegung der Steuerbemessungsgrundlage eine ebenso zentrale Rolle.

Daniel Bunn ist der Direktor für Globale Projekte bei der Tax Foundation. - © Dan Carvajal
Daniel Bunn ist der Direktor für Globale Projekte bei der Tax Foundation. - © Dan Carvajal

Verbesserungspotenzial besteht in Österreich sowohl bei der Höhe des Körperschaftsteuersatzes als auch bei der Bestimmung der Bemessungsgrundlage. Während im Jahr 2000 der Durchschnitt des Körperschaftsteuersatzes in der EU noch 32,5 Prozent betrug, lag dieser im Jahr 2018 bei 21,9 Prozent. Österreichs Körperschaftsteuersatz liegt seit 2005 bei 25 Prozent. Mit Ausnahme von nur zwei Ländern (Italien mit 27,8 Prozent und Deutschland mit 29,8 Prozent) hat Österreich den höchsten Körperschaftsteuersatz im Vergleich zu den Nachbarländern. Das wachstumsstarke Ungarn erhebt eine Steuer von nur neun Prozent auf Unternehmensgewinne und hat somit den niedrigsten Steuersatz innerhalb der Europäischen Union.