Spätestens seit den weltweiten "Friday for Future"-Schülerstreiks gegen die Klimapolitik sollte es einleuchten, dass zukünftige Politik mehr als nur die Migrationsfrage ist. Die Nachhaltigkeit findet in der Politik derzeit keinen Platz. Ein reines Streben nach wirtschaftlichem Wachstum und somit die Erfüllung von Konzerninteressen ist die oberste Prämisse, obwohl sich der Ausstoß von CO2 in den vergangenen 50 Jahren verdoppelt hat. Alleine in Österreich werden jährlich 80 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent produziert (Stand 2018).

Die Klimaziele wurden in den Jahren 2016 und 2017 verfehlt, und die Prognosen für die kommenden Jahre deuten auf keine Verbesserung hin. Die Wetterereignisse der vergangenen Jahre verdeutlichen jedoch die dringende Notwendigkeit für die Einhaltung dieser Ziele. Das Jahr 2017 bescherte uns den wärmsten März seit der Messgeschichte und zugleich den kältesten Jänner seit mehr als 30 Jahren. Diese Wetterextreme verursachen Unwetter, die zu massiven Schäden führen. Alleine die dürrebedingten Schäden im Jahr 2017 in Österreichs Landwirtschaft belaufen sich auf etwa 210 Millionen Euro. Ernteausfälle lassen die Weltmarktpreise für Lebensmittel steigen. Ein weiterer Anstieg der Lebensmittelpreise würde sozial schwächere Bevölkerungsgruppen schwer treffen.

Es besteht auch ein ungezügelter Hunger nach Energie. Es liegt wohl in der Natur der Menschheit, dass wir nicht gerne auf liebgewonnene Gewohnheiten verzichten möchten. Schließlich will man es zu jeder Zeit wohlig warm in der Wohnung oder im Haus haben, sich jederzeit mit seinem Fahrzeug von A nach B bewegen, sich stets eine warme Mahlzeit zubereiten und laufend multimediale Genüsse erleben oder im Internet surfen können. All diese Bequemlichkeiten und Gewohnheiten haben eines gemein. Sie brauchen Energie.

Das Ziel einer möglichst geringen sozialen und wirtschaftlichen Ungleichheit in einer Gesellschaft - und damit einer umfassenden Verteilungsgerechtigkeit - wird wohl mehr Fiktion und für eine überwältigende Mehrheit nicht mehr erreichbar sein. Ressourcenknappheit, welcher Art auch immer, wird zu einem Verteilungskampf führen. Im schlimmsten Fall zu Kriegen und globalen Migrationsströmen.

Eine Energiewende ist dringend notwendig. Unabhängig davon, ob wir die dringend notwendige Energiewende aus neoliberalen Gesichtspunkten, aus Gründen des Klimaschutzes oder von Seiten der Verteilungsgerechtigkeit betrachten, müssen wir uns die Frage stellen, ob wir unseren zukünftigen Generationen einen Planeten hinterlassen, auf dem es ausreichend Ressourcen wie sauberes Wasser, saubere Luft, ausreichend Nahrungsmittel und in weiterer Folge ausreichend nachhaltige Energie gibt. Um dies gewährleisten zu können, muss uns klar sein, dass wir auf alle fossilen Energieträger verzichten müssen. Dies wird eine technologische und auch gesellschaftspolitische Herkulesaufgabe sein, die bewältigt werden muss! Wir alle werden also auch Teil der Energiewende.

Christian Kaiserseder (r.) und David Steiner leiten gemeinsam die neue bundesweite Themeninitiative "Umwelt und Nachhaltigkeit" der
Sozialdemokratischen Partei Österreichs.