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Die "Modern Monetary Theory" (MMT) bricht die Konvention auf, dass wir uns als Staat und Gesellschaft etwas nicht mehr leisten können, weil wir kein Geld haben. Ein Mythos alter Geldtheorien ist, dass der Staat zuerst Steuern einnehmen oder Geld von Privaten leihen muss, bevor er es ausgeben kann. Für uns als individuelle Benutzer der staatlichen Währung ist der Geldmangel real und für viele am Ende des Monats nur allzu spürbar. Diese Logik gilt aber nicht für den Staat inklusive Zentralbank, weil der eben der Produzent des eigenen Geldes ist, in dem andere bereit sind, Leistungen zu erbringen.

Als Gesellschaft können wir daher gemeinsam entscheiden, mehr Geld für sinnvolle ökologische Investitionen, wie einen Green New Deal zur Ökologisierung der Wirtschaft, oder eine Jobgarantie für Vollbeschäftigung auszugeben, wie aktuell in den USA diskutiert wird. Die Beschränkungen sind die realen Ressourcen (Menschen, Maschinen, Land), nicht die finanziellen. Inflation oder ein sinkender Wert der Währung kann und soll bei vernünftiger Politik verhindert werden. In der MMT sind Überlegungen ganz zentral, ob und wann genau Inflation auftritt, wenn der Staat Geld schöpft und es ausgibt.

Simbabwe: Enteignung der weißen Großgrundbesitzer

In einem hat Herr Ortner recht. Der Staat kann die Wirtschaft durch zusätzliche Ausgaben nicht ankurbeln, wenn die privaten Unternehmen gar nicht in der Lage sind, mehr zu produzieren. Nach der Enteignung der weißen Großgrundbesitzer in den 1980ern in Simbabwe ist die Getreideproduktion (das einzige Exportgut) trotz "Notenpresse" eingebrochen, weil die neuverteilten kleineren Parzellen der schwarzen Eigentürmer zusammengerechnet weit weniger produktiv waren. Ebenso geschah es im Ruhrgebiet 1923, als die Franzosen das mit seiner Kohle- und Stahlproduktion industriell bedeutsamste Gebiet Deutschlands besetzten und der deutsche Staat die Gehälter der gegen die Besetzung streikenden Arbeiter trotzdem weiterzahlte. Die zwei Ausschnitte aus der Geschichte zeigen: Wenn das Angebot beschränkt ist, führt eine

Ausweitung der staatlichen Nachfrage

zu Preissteigerungen.

Doch was ist, wenn das Angebot nicht durch Ausnahmesituationen wie während und nach Weltkriegen beschränkt ist? In den diversifizierten Wirtschaften der Eurozone oder der Vereinigten Staaten mit einer weltweit anerkannten Währung weiten Unternehmer ihre Produktionsmenge aus, wenn die staatliche Nachfrage steigt. Die Preise hingegen steigen durch ausreichend Wettbewerb und freie Produktionskapazitäten entweder gar nicht oder in einem geringen, für die Wirtschaft vorteilhaften Ausmaß. Vergibt der Staat Aufträge an gut funktionierende Unternehmen mit unterausgelasteten Kapazitäten, dann stellen diese mehr Mitarbeiter an, um die Aufträge abzuarbeiten. Die Auslastung der Industrie in Österreich liegt aktuell bei 86,7 Prozent und mehr als 400.000 Arbeitslose warten auf einen Arbeitsplatz.