Ärzte ohne Grenzen/Médecins Sans Frontières (MSF) betreibt im Gouvernement Taiz im Jemen mehrere medizinische Einrichtungen und Spitäler mit internationalem Personal. Doch die Region benötigt dringend mehr Hilfe. Ich sprach mit einer Frau, die vier Stunden lang mit Geburtswehen unterwegs war, um das nächste funktionierende Krankenhaus zu erreichen. Um nach Taiz Stadt zu gelangen, mussten sie und ihr Mann erst eine Reihe von Kontrollpunkten überqueren und dann die engen Gassen der Stadt durchqueren. Ihr Mann erzählte mir, wie sehr er Angst hatte, seine Frau zu verlieren. Sie blutete stark,     und die Reise dauerte so lange.

Nach vier Jahren Krieg ist es für die meisten Menschen im jemenitischen Taiz eine enorme Herausforderung, zu einer Gesundheitseinrichtung zu gelangen. Das liegt vor allem an der zerstörten Infrastruktur und der wirtschaftlichen Situation. Besonders schwer haben es jene, die auf dem Land leben oder in Regionen, die von Gewalt geprägt sind. Der Krieg trifft alle. Aber bei Müttern und Kindern müssen wir eine besonders hohe Zahl an Todesfällen registrieren. Manche Patientinnen und Patienten müssen eine stundenlange Reise auf sich nehmen, um uns zu erreichen. So kommen schwangere Frauen oft erst sehr spät zur Geburt.

Ärzte ohne Grenzen gehört zu den wenigen internationalen Organisationen, die in der Gouvernement-Hauptstadt Taiz tätig sind. Als einzige stellen wir ständiges internationales Personal vor Ort. In der Stadt unterstützen wir drei Krankenhäuser mit jeweils unterschiedlichen medizinischen Spezialisierungen. Eines bietet Betreuung für Mütter, ein anderes ärztliche Versorgung für Kinder und ein drittes einen Notfalldienst für Menschen, die hauptsächlich durch Kämpfe verletzt wurden.Pro Monat werden in der Geburtsklinik von Taiz etwa 350 Fälle eingeliefert, in unserem Mutter-Kind-Krankenhaus in Houban, auf der anderen Seite der Frontlinie, sind es fast 1000 pro Monat.

Viel zu wenige Geburten

Ein Zweijähriger, den eine Granate im Gesicht verletzt hat, wird im Traumazentrum von Ärzte ohne Grenzen behandelt. Seine Familie war mit ihm drei Stunden lang unterwegs und musste dabei die Frontlinie unter Beschuss überqueren. - © MSF/Nuha Mohammed
Ein Zweijähriger, den eine Granate im Gesicht verletzt hat, wird im Traumazentrum von Ärzte ohne Grenzen behandelt. Seine Familie war mit ihm drei Stunden lang unterwegs und musste dabei die Frontlinie unter Beschuss überqueren. - © MSF/Nuha Mohammed

Aber gemessen an der Bevölkerung sind die Geburtenzahlen viel zu gering. Das ist ein deutliches Zeichen dafür, dass die für alle zugängliche und verfügbare Schwangerschaftsversorgung einfach nicht ausreicht. Die Stadt Taiz – ebenso wie das gesamte Gouvernement – benötigt mehr internationalOrganisationen vor Ort. Sie braucht Fachärzte, die Gesundheitseinrichtungen unterstützen und Menschen den Zugang zu lebensrettender medizinischer Versorgung ermöglichen. Möglich wäre es. Das zeigt die Tatsache, dass Teams von Ärzte ohne Grenzen seit vier Jahren in Taiz Stadt stationiert sind.