Wir wissen, dass es eine Herausforderung ist, in Taiz Stadt zu arbeiten.Eine Reihe von bewaffneten Gruppen kontrollieren unterschiedlicheStadtviertel, es gibt eine Frontlinie in der Nähe und bewaffnete Männer,die versuchen, Menschen an medizinischer Versorgung zu hindern.

Es gibt immer eine Lösung

Selbst die Anreise nach Taiz ist kompliziert. Man muss auf schmalen Bergstraßen fahren, da die Hauptstraße durch die Frontlinie blockiert ist. Es ist schwierig, aber trotzdem möglich. Die Bedürfnisse in dieser Stadt sind enorm und es gibt immer eine Lösung.

Ein Kind mit Verletzungen durch eine Landmine in Gesicht, Armen und Gehirn - zwei andere, die ebenfalls verletzt wurden, waren bereits tot, als sie im Krankenhaus ankamen. - © Agnes Varraine-Leca/MSF
Ein Kind mit Verletzungen durch eine Landmine in Gesicht, Armen und Gehirn - zwei andere, die ebenfalls verletzt wurden, waren bereits tot, als sie im Krankenhaus ankamen. - © Agnes Varraine-Leca/MSF

Für Menschen auf der anderen Seite der Frontlinie kann der Zugang zur medizinischen Versorgung ebenso schwierig sein. So zum Beispiel in Houban, einem Vorort von Taiz. Bevor der jüngste Konflikt begann, konnten die in Houban lebenden Menschen in zehn bis 20 Minuten eine öffentliche Gesundheitseinrichtung erreichen. Jetzt dauert es sechs oder sieben Stunden. Daher ziehen es die meisten Menschen es vor, in das benachbarte Gouvernement Ibb zu gehen. Die Reise führt über schmale Bergstraßen und durch Kontrollpunkte. Doch auf der Houban-Seite der Frontlinie gibt es keine öffentlichen Krankenhäuser. Ärzte ohne Grenzen ist der einzige Anbieter von kostenloser Krankenhausversorgung für fast 150.000 Menschen.

Manchmal müssen wir Leute wegschicken

Besonders berührt hat mich in Houban die Geschichte einer hochschwangeren Frau. Sie kam aus einiger Entfernung und hatte viel Geld für den Transport zum Mutter-Kind-Krankenhaus von Ärzte ohne Grenzen ausgegeben. Geld, das die Familie sich von Nachbarn leihen musste. Als sie im Krankenhaus ankamen, waren so viele Frauen dabei, Kinder auf die Welt zu bringen, dass wir die Aufnahme neuer Mütter eigentlich hätten schließen müssen. Das Krankenhaus mit 130 Betten war voll ausgelastet. Es ist herzzerreißend für unsere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, schwangere Frauen abzuweisen, die dringend medizinisch versorgt werden müssen. Am Ende konnten wir in diesem Fall einen Platz für die Frau zur Geburt finden. Doch das ist nicht immer möglich.

Im ganzen Jemen sehen wir immer noch Anschläge auf Krankenhäuser, Gesundheitseinrichtungen, Krankenwagen und medizinisches Personal. Wir sehen immer noch, wie bewaffnete Gruppen verhindern, dass Menschen medizinische Versorgung erhalten. Das ist nicht hinnehmbar. Denn der Zugang zur Gesundheitsversorgung ist für die jemenitische Bevölkerung von entscheidender Bedeutung. Die Neutralität von medizinischen Einrichtungen, Krankenwagen und medizinischen Personals muss eindeutig akzeptiert werden.