Die finanzpolitischen Voraussetzungen werden gerade geschaffen. Während des Peking-Besuchs von Kanzler Kurz (der dafür - im Unterschied zur deutschen Kanzlerin Angela Merkel - den Westbalkan-Gipfel ausgelassen hat) wurde zwischen der österreichischen Bundesfinanzierungsagentur und der Commercial Bank of China ein "Memorandum of Understanding" unterzeichnet. Als erstes Land der Eurozone wird Österreich demnächst Staatsanleihen in Yuan begeben.

Überwölbt wird all das durch den Vormarsch der Chinesen im Internetgeschäft. Der Schlüssel ist 5G, das neue superschnelle Mobilfunknetz. Österreich ist eines der ersten EU-Länder (nach Ungarn und Polen), wo der Ausbau mithilfe des als Smartphone-Hersteller bekannten Privatkonzerns Huawei voll im Gange ist. Über T-Mobile läuft der Testbetrieb in 17 Gemeinden, die größte ist Ried im Innkreis. 2025 soll Huawei mit dem flächendeckenden Ausbau fertig sein. "Europa wird chinesisch" - diese Aussage mag übertrieben sein, aber die Internet-Technologien sind in der Tat das leise und unsichtbare Spinnennetz, über den ganzen Kontinent gespannt.

Dass die kritischen Stimmen gegenüber der Kooperation mit China zunehmen, darauf hat Thomes Seifert in einem Bericht vom Pekinger Gipfel am 26. April in der "Wiener Zeitung" hingewiesen - vor allem auf das Gespenst der Schuldenfalle, in die kleine Länder leicht tappen. Auf den Malediven hat dies sogar zu einem Regierungswechsel geführt. EU-Mitglieder sind besser kapitalisiert. Hier geht es vielmehr um strategische Fragen.

Die Chinesen füllen auf leisen Sohlen das US-Vakuum auf

Die USA sind immer noch der wirtschaftlich und wissenschaftlich stärkste Staat. Aber sie agieren konventionell und die Regierung unter Präsident Trump kündigt schrittweise alle Verträge, die ihnen nicht von vornherein "America first" garantieren. Die Chinesen kommen auf leisen Sohlen und sind dabei, überall, wo es geht, das US-Vakuum aufzufüllen und jene Fantasie zu entwickeln, die den USA im Moment fehlt.

Dazwischen manövrieren Russland und die EU. Die Russen setzen ihre Rohstoffmacht ein (siehe Pipeline North Stream), weil sie anders als die Chinesen kein Gesamtpaket anbieten können. Die Europäer könnten wegen der Vielfalt ihrer Ressourcen ähnlich agieren wie China - allein, ihnen fehlt eine koordinierte Offensivkraft. Eine europäische Armee (mit Unterstützung der gierigen Rüstungsindustrie) würde der EU zwar die Muskeln wachsen lassen, nicht aber die Gehirne und den Einfluss jener, die es mit der chinesischen Strategie aufnehmen könnten.

Weder militärische Rüstung noch effiziente Wirtschaftsplanung können zwei Gefahren der fernöstlichen Expansion begegnen: Wie sehr wird der modernisierte chinesische Kommunismus die Zukunft der europäischen Demokratie beeinflussen? Und wie sehr werden chinesische Sichtweisen das Denken europäischer Wissenschafter und Manager beeinflussen? Dazu kommt die Frage, wie stark der Zugriff der riesigen Politbürokratie auf all jene ist, die jetzt schon und in Zukunft vermehrt in und mit Europa arbeiten. Gibt es so etwas wie ein Sickern abendländischer Geisteshaltung in das kollektive chinesische Denken und Fühlen?

2017 wurde in Peking ein Gesetz beschlossen, das im Ausland arbeitende Firmen zur Informationsweitergabe (de facto: Zur Spionage) verpflichtet. Huawei-Gründer Ren Zhengfei hat heftig dementiert, dass sein Konzern für so etwas zu haben sei. Aber die Enthüllungen der vergangenen Jahre und die Verstörungen durch russische Hackerangriffe auf sensible Daten im US-Wahlkampf erzeugen eine Unsicherheit: Wie viel des Gesagten stimmt? Und was davon sind "Fake News"?

Die neue Seidenstraße und Pekings leise Expansion.