Martin Weiss wurde 1962 geboren. Der Jurist begann seine Laufbahn 1990 im österreichischen Außenministerium und war unter anderem Generalkonsul in Los Angeles und Botschafter in Zypern. Seit 2015 ist er Botschafter in Israel. - © Mahmoud Ashraf
Martin Weiss wurde 1962 geboren. Der Jurist begann seine Laufbahn 1990 im österreichischen Außenministerium und war unter anderem Generalkonsul in Los Angeles und Botschafter in Zypern. Seit 2015 ist er Botschafter in Israel. - © Mahmoud Ashraf

Tel Aviv. Sicherheit ist natürlich gerade für Israel ein zentrales Thema. Zuletzt mussten sich etwa viele Touristen, die zum Eurovision Song Contest ins Land gekommen sind, die Frage stellen: Ist eine Reise nach Israel denn überhaupt sicher? 4,1 Millionen Touristen haben diese Frage im vergangenen Jahr mit "Ja" beantwortet - so viele Menschen haben Israel 2018 besucht. Auch Österreich hat zu dieser Zahl einiges beigetragen: 38 Direktflüge verbinden jede Woche Tel Aviv und Wien, bald kommen noch zwei Direktflüge nach Salzburg dazu. Und - das zeigen alle Vorhersagen - 2019 werden die Tourismuszahlen noch einmal deutlich steigen. Wie fühlt es sich nun aber für Touristen tatsächlich an, Israel zu bereisen? Umfragen zeigen, dass Reisende ihre persönliche Sicherheit in Israel als sehr hoch bewerten.

Israelis besitzen weniger Schusswaffen als Österreich

Aber, halt: gibt es hier nicht einen Widerspruch? Kennen wir nicht alle Israel hauptsächlich aus Berichten, in denen es um Terrorismus, Raketen aus dem Gaza-Streifen, gewaltsame Zusammenstöße und Ähnliches geht? Wie passt das mit dem Gefühl hoher persönlicher Sicherheit von Millionen Touristen zusammen? Nun, eines ist klar: Israel liegt in einer schwierigen Weltregion, seine Nachbarn sind nicht Liechtenstein oder die Schweiz. Anders als Österreich muss Israel stets bereit sein, rasch auf direkte Bedrohungen auch aus der unmittelbaren Nachbarschaft zu reagieren. Der Grundwehrdienst hat in Israel daher - natürlich - eine ganz andere Bedeutung als in Österreich: Zwei Jahre und acht Monate gehen die Männer hier zur Armee (genau genommen zur IDF, den "Israel Defense Forces"), zwei Jahre sind es für die Frauen. Bewaffnete Soldatinnen und Soldaten sind ein fixer Bestandteil des israelischen Straßenbildes, denn eine Waffe darf niemals ohne Aufsicht zum Beispiel in einem Auto gelassen werden, denn dort könnte sie gestohlen werden. Das bedeutet aber nicht, dass es in Israel einfach wäre, außerhalb von Armee oder Polizei eine Waffe zu besitzen, ganz im Gegenteil: Anträge auf persönlichen Waffenbesitz werden streng geprüft und vielfach abgelehnt. Die Zahl der Schusswaffen pro 100 Einwohner beträgt in Israel 7,3. In Österreich liegt die vergleichbare Zahl bei 30, in den USA gar bei 120.

Bewaffnete Soldatinnen sind ein fixer Bestandteil des israelischen Straßenbildes. - © Karin Kosina
Bewaffnete Soldatinnen sind ein fixer Bestandteil des israelischen Straßenbildes. - © Karin Kosina

Natürlich stimmt es auch, dass das Verhältnis zwischen Israel und den Palästinensern trotz vieler Anläufe bis heute nicht geklärt ist: Wie kann man jetzt und in Zukunft friedlich zusammenleben? Geht das in einem Staat? Braucht es dafür zwei Staaten? Wo verlaufen die endgültigen Staatsgrenzen Israels? Wie steht es um die Zukunft Gazas und der Menschen, die dort leben? Hier gibt es noch viele ungelöste Fragen. Fragen, die leider auch immer wieder zu Gewalt und Blutvergießen führen.

Israel musste daher lernen, trotz manch ungelöster Frage seinen Bürgerinnen und Bürgern wie auch seinen Besucherinnen und Besuchern einen normalen, lebenswerten Alltag zu bieten. Und das ist Israel auf beeindruckende Weise gelungen: "We are not a big country, but we are a great country" - diesen Satz hört man von Israelis immer wieder. Eine Lösung des Nahost-Konfliktes und ein nachhaltiger Friede zwischen allen Nachbarn sind heute noch Zukunftsmusik. Aber: Sag niemals nie. Wer von uns hätte schon gedacht, dass die Berliner Mauer stürzen könnte, ohne dass dabei auch nur ein einziger Schuss fällt?