Während Österreich darüber sinniert, wie es politisch denn nun weitergeht, haben internationale Ratingagenturen einzig die Bonitätseinschätzung Österreichs im Auge. Also das Ansehen Österreichs am Kapitalmarkt. Die Frage, ob sich das Kreditrating der Republik denn nun kurzfristig ändert, kann man wohl getrost mit "Nein" beantworten. Dafür gib es mehrere Gründe, auf die später noch eingegangen wird.

Die Frage der politischen Stabilität Österreichs ist aber eine, der sich Analysten in Ratingkomitees wohl trotzdem noch länger widmen werden.

Österreichs Erfolgsgeschichte, vermeintlich unterstrichen durch positive "hard facts", wie das Ende der Schuldenpolitik, die Senkung der Abgabenquote "in Richtung
40 Prozent" und ähnliches, wird in Zukunft von den Analysten wohl weniger Gewicht beigemessen. Länger werden wohl die Institutionen der Republik besprochen und vor allem, inwieweit diese noch glaubwürdig sind. Da stellte sich doch tatsächlich - zu sehen in einem online gestellten Video - ein angehender Vizekanzler hin, beschmutzte gängige Praktiken der öffentlichen Auftragsvergabe und fantasiertr darüber, Journalisten auszutauschen.

Ein Staatenrating basiert natürlich auf "hard facts" wie Wirtschafsstärke und Wachstumsraten, Kapitalmarktzugang und Zinszahlungen, Schuldenstand und Haushaltsergebnissen; aber der wohl wichtigste Faktor zur Bemessung einer Staatenbonität sind mit Abstand Stabilität, Vertrauenswürdigkeit und Vorhersehbarkeit seiner politischen Institutionen. Und, gelinde ausgedrückt, diese Einschätzung gerät in den kommenden Ratingkomitees unter massiven Druck.

Ratingagenturen sind wohl gezwungen, sich zu fragen, ob das denn nun alles war, oder ob der Junior-Partner der aufgelösten Koalition noch mehr politisches Sprengmaterial produziert hat, das wir bald auf YouTube finden werden. Generell stellt es internationalen Analysten die Haare auf, dass in Österreich etwas Derartiges möglich ist, und sie diskutieren in vertraulichen Gesprächen wohl bereits darüber, ob Mitglieder anderer Parteien nicht auch schon einmal ähnliche Gespräche geführt haben (es gilt die Unschuldsvermutung), wenngleich wohl geschickter und in diskreterem Rahmen.

Die nächsten Updates bei den Ratings veröffentlicht Fitch am
31. Mai, bei Standard & Poor’s und Moody’s ist es am 13. September (genau am Freitag, dem Dreizehnten) soweit. Danach geht es jeweils im Halbjahrestakt weiter.

Da internationale Agenturen immer bemüht sind, sich nicht in Tagespolitik zu verzetteln, werden sich bis Ende dieses Jahres wohl noch keine Auswirkungen der jüngsten Ereignisse auf die Ratings zeigen. Sollte es die Politik aber nicht schaffen, das Ruder herumzureißen und das Land Richtung politisch stabilem Sonnenschein zu manövrieren, zieht 2020 ein Gewitter über Österreichs Ratings auf.