Aktive Bildungs-, Kultur-, und Jugendarbeit zwischen Österreich und Zentral- und Osteuropa beziehungsweise dem Westbalkan: Bilaterale oder regional aufgelegte Angebote bleiben mit Ausnahme tapferer Einzelinitiativen inzwischen aus. Das Rad muss nicht neu erfunden werden: Auf Bestehendes wie das Europäische Jugendparlament (EYP), das World University Service (WUS), den Social Innovation Award (SIA) oder den zivilgesellschaftlichen Inkubator "Advocate Europe" kann aufgesattelt werden. Dies gilt für mögliche Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Österreich genauso wie aus den Nachbarländern.

Aufbau eines Expertenpools für internationale Friedens- und Sondereinsätze: Bis heute hat Österreich - im Gegensatz zu Deutschland, der Schweiz und den skandinavischen Ländern - keine Datenbank seiner international qualifizierten, zivilen Fachkräfte und keine gezielte Personal- oder gar Platzierungsstrategie für diese oft freiberuflichen Experten. So ein Pool würde es den Ministerien ermöglichen, rasch und unkompliziert auf Expertise oder tatsächliche Feldeinsätze der zivilen, international Qualifizierten zurückzugreifen. Zugleich würde ein solcher Pool Österreichs Neutralität neu beleben.

Austausch neu und parteiübergreifend beleben

Sind das Orchideenprojekte in Zeiten von Ibiza-Gate und europäischer Polykrise? Mitnichten. Je komplexer, schneller und scheinbar unlösbarer die Lage, desto wesentlicher ist der proaktive Sprung nach vorne. Grenzüberschreitende Gestaltung mobilisiert, inspiriert, bereichert. Sie stärkt im Politikbetrieb eine "Kultur des Gefasstseins" (Zitat aus einem Plädoyer des European Strategy and Policy Analysis Systems) und kann im Ernstfall zur handfesten Krisenlösung beitragen.

Gerade die Monate der Übergangsregierung erlauben es, Türen zu öffnen und den Austausch mit Akteuren aus Wissenschaft und Zivilgesellschaft zuhause und mit den Nachbarländern neu und parteiübergreifend zu beleben. Letztlich sind es nicht die Fotos von EU-Gipfeltreffen, sondern die Kontakte zwischen Menschen hier in der Region, die über das Gelingen einer österreichischen Vertrauenswende entscheiden.