Wie also selbst mit "Overtourism" umgehen? Nun, man könnte etwa eher in Richtung "Unbalanced Tourism" denken und sich selbst fragen: Muss ich da wirklich hin? Gibt es nicht eine andere Stadt, einen anderen Ort, ein anderes Land, das genauso sehenswert, aber noch nicht so überlaufen ist? Reiseziele abseits der touristischen Trampelpfade bieten neue Eindrücke, die vielleicht noch nicht von der breiten Öffentlichkeit tausendfach "geshared" oder "geliked" wurden. Und sie ermöglichen mit Sicherheit authentischere Begegnungen mit Einheimischen.

Anders als die toskanischen Städte Florenz, Pisa oder Siena liegen Volterra, Colle Val d’Elsa oder Montepulciano noch weitgehend im Verborgenen und bieten Reisenden ein echtes Stück Toskana. Über den Tellerrand geblickt, lassen sich neue interessante Destinationen erschließen, die noch nicht so viele auf dem Radar haben. Wie das beeindruckende Karpatenland Rumänien mit den reizvollen Städten Brasov oder Sibiu in Siebenbürgen zum Beispiel. Oder ein wenig weiter - wer bitte war zum Beispiel schon einmal in Kasachstan? Das dünn besiedelte Land beeindruckt mit einer unglaublichen landschaftlichen Schönheit rund um die alte Hauptstadt Almaty. Allein die entlegene Region Mangystau ist ein Grund, nach Kasachstan zu reisen. Von Massentourismus ist hier noch keine Spur und ja, auch der Urlaubs-Euro ist hier jede Menge wert.

Es muss ja nicht immer
in der Hauptreisezeit sein

Wer die Hotspots dieser Welt dennoch nicht meiden möchte oder kann, sollte sich fragen: Muss ich genau dann verreisen, wenn alle hinfahren? Wann ist in diesen Städten weniger los, welche Reisezeit bietet sich an? Oftmals hilft es schon, die Vorsaison zu nutzen und die Reisen wenn möglich unter der Woche anzusetzen anstatt an einem verlängerten Wochenende. Gibt es Geheimtipps und alternative Sehenswürdigkeiten? In Rom ist das Quartiere Coppedè sehr zu empfehlen, in Barcelona ist der weniger überfüllte Mercat de Santa Caterina einen Besuch wert. Auch das durch seine Größe und Schönheit bestechende ehemalige Krankenhaus Hospital de Sant Pau unweit der Sagrada Familia mit seinem unterirdischen Gang kennt noch keinen Massentourismus.

Reisen kann und soll man an 365 Tagen im Jahr, es gibt immer etwas zu entdecken und zu erforschen - sowohl in der Nähe als auch in der Ferne. Und der Mut zu neuen Destinationen wird zumeist mit authentischen und intensiven Impressionen belohnt, die es eben noch nicht in sämtlichen Feeds auf Facebook oder Instagram gibt. Und jeder Reisende kann dann für sich überlegen, ob der Geheimtipp vielleicht doch noch ein wenig geheim bleiben sollte.