Aber viele dieser Frauen sind es müde, sich angesichts der regelmäßig stattfindenden Kirchenkrisen - jüngst die Missbrauchsskandale - für ihre Zugehörigkeit rechtfertigen oder gar schämen zu müssen. Diese Krisen sind aufgrund der Leitungsstruktur der Kirche zwar von Klerikern zu verantworten, aber letztlich von allen zu bewältigen. Auch manche meiner Studentinnen erzählen nicht einmal mehr im Freundeskreis, dass sie katholische Theologie studieren. Immer wieder begegnen sie stereotypen Vorwürfen, sie unterstützten eine vormoderne, frauenfeindliche Institution. Auch ich kenne solche Vorwürfe. Mich spornen sie an, in spannende Diskussionen einzusteigen und platte Vorurteile zu widerlegen. Aber nicht jede Frau findet solche Konflikte reizvoll.

Die Kirche muss aufwachen, bevor die Frauen weg sind

Als Pastoraltheologin mache ich mir mit Blick auf diese Alarmsignale Sorgen. Ich finde die aktuellen Konflikte alles andere als erfreulich. Aber ich möchte nicht, dass meine Kirche erst dann erwacht, wenn wir die Frauen in ihrer Vielfalt und damit die Zukunft verloren haben. Es muss etwas geschehen.

Derzeit hindert uns (nicht nur) die seit Jahrzehnten im Untergrund gärende Frauenfrage daran, unsere Aufgabe mit ganzer Kraft zu erfüllen: das Evangelium glaubwürdig in Wort und Tat zu verkünden. Meine Kirche ist permanent mit sich selbst beschäftigt. Das ist angesichts der globalen und regionalen Verwerfungen und Krisen der Gegenwart fahrlässig. Denn ich halte die Kirche für unverzichtbar, um über diese Krisen hinauszukommen. In einer diesseitsfixierten Welt hält sie mit ihrer beständigen Erinnerung an den Gott der Offenbarung den Himmel offen und beschützt Würde und Geheimnis jedes einzelnen Menschen. In Zeiten der Entsolidarisierung übernimmt sie mit ihrem karitativen Engagement wesentlich Mitverantwortung für die Armen und Marginalisierten.

Um den Aufgaben der Kirche als Partnerinnen auf Augenhöhe nachkommen zu können, müssen Frauen an deren Gestaltung strukturell, rechtlich und theologisch legitim mitwirken können. Die Taufwürde sagt ihnen diese Gleichwertigkeit und Gleichwürdigkeit zu und macht sie zu vollwertigen Mitgliedern der Kirche. Der Historiker Michael Mitterauer hat in seinem Buch "Warum Europa? (2009) gezeigt, dass die Befreiungsbewegung der Frauen ohne das Christentum gar nicht denkbar wäre.

Partnerinnen auf Augenhöhe - Teilhabe an struktureller Macht

Gestaltung als vollwertige Partnerinnen bedeutet aber auch Teilhabe an struktureller Macht: ein in der Kirche negativ assoziiertes Wort, trotz der Tatsache, dass auch kirchliche Weiheämter mit Macht verbunden sind und maßgebliche Deutungs-, Entscheidungs- und Leitungsmacht konstitutiv an der Weihe hängt. Daher können sich Frauen derzeit nur dann theologisch und rechtlich legitim an maßgeblichen Zukunftsentscheidungen der Kirche beteiligen, wenn gutwillige Kleriker sie an dieser Macht teilhaben lassen. Frauen können also durchaus Macht ausüben. Sie waren und sind nicht die armen Opfer einer bösen Männerkirche.

Aber entspricht diese indirekte, an persönliche Beziehungen und Abhängigkeiten gebundene Art der Machtausübung hinter der Bühne dem Geist der Taufwürde? Natürlich hat niemand ein Recht auf ein kirchliches Weiheamt. Auch Männer benötigen dafür eine Berufung, die in langen Ausbildungsprozessen geprüft und geformt wird. Die Öffnung des kirchlichen Amtes für Frauen würde auch keinesfalls zentrale kirchliche Probleme wie den Glaubensverlust vieler Menschen lösen. Viele genuin religiöse Probleme würden vermutlich überhaupt erst dann in ihrer Schärfe sichtbar werden.