Die vielbeklagte "Regulierungswut Brüssels" ist nicht selten in Wahrheit die Harmonisierung nationaler Vorschriften. Ohne jeden Zweifel täten beide Ebenen - EU und Nationalstaaten - gut daran, diese Vorschriften auf Sinnhaftigkeit zu überprüfen. Wie viel davon muss sein? Gestehen wir unseren Bürgern mehr Entscheidungsfreiheit zu? Es steht außer Zweifel, dass eine Bürokratiereduktion das Gebot der Stunde ist.

Beitritt 1995 als Rückkehr
ins vereinte Europa

Die Volksabstimmung am 12. Juni 1994 hat gezeigt, dass Österreichs Bevölkerung weltoffen und europäisch tickt, ganz so, wie es der Geschichte unseres Landes entspricht. Aktuelle Stimmungsbilder zeigen ebenfalls hohe Zustimmungsraten zur Union, wenn auch nicht ohne die berechtigte Kritik an jenen Dingen, die verbessert gehören.

Der österreichische EU-Abgeordnete Lukas Mandl hat zum Jubiläum einen Sammelband herausgegeben. Die zuvor angerissene thematische Breite und die To-Do-Liste für die EU-Ebene waren sichtlich Leitlinien für die Auswahl der Beiträge. Der Titel "Rot-Weiß-Rot in Europa" verweist durchaus darauf, dass auch die gesamte Geschichte Österreichs als Binnenstaat, als Nicht-Nationalstaat im Sinne des Nationalismus des 19. Jahrhunderts, als Vielvölkerstaat auf das europäische Miteinander hindeutet.

Österreich ist ein europäisches Land. Deshalb war der Beitritt 1995 auch die Rückkehr ins vereinte Europa, nicht der "Erstbeitritt". Die Beiträge des Sammelbandes leisten einen wertvollen Beitrag dazu, das Geistesbild unseres Heimatlandes und Heimatkontinents besser zu beschreiben. Es ist daher das richtige Buch zur richtigen Zeit.•