Das zentrale Thema lautet: Wie schafft man eine gelingende Kopplung zweier gesellschaftlicher Teilsysteme mit unterschiedlicher Logik. In der Politik steht die Erlangung und Bewahrung demokratisch legitimierter Macht mit kurz angelegter Eigenzeitlichkeit im Vordergrund. Die Verwaltung ist gewohnt, in längeren Zeiträumen zu denken. Sie ist auf die Anwendung, aber auch Erarbeitung von Rechtsnormen sowie auf die effektive und effiziente Produktion öffentlicher Güter ausgerichtet.

Für die Synthese dieser beiden Welten gibt es keine einfachen, schnell zu erreichenden Lösungen. Es bedarf eines offen angelegten und mit Beharrlichkeit geführten Diskurses, aus dem heraus wechselseitiges Verständnis und belastbare Lösungen entstehen können.

Die nunmehrige Vertrauensregierung setzt auf keine vorhandenen Traditionen auf und steht abgesehen von der Notwendigkeit, den Staat am Laufen zu halten, nicht unter Erfolgsdruck. Es wird ihr wohl auch nicht möglich sein, die oben angesprochenen Themen "abzuarbeiten". Wohl aber hat sie die Unbefangenheit, bisher weitgehend tabuisierte Themen anzusprechen und Formen deren Bearbeitung zu initiieren. Sollten diese von der nächsten Koalitionsregierung nicht aufgegriffen und fortgeführt werden, wäre immerhin eine Aktivierung der Fachöffentlichkeit und darüber hinaus eine gewisse Sensibilisierung der Öffentlichkeit erreicht. Möglicherweise entsteht eine Dynamik, die mittelfristig ihre Wirkung erzielt.

Ganz allgemein arbeitet ein System dann erfolgreich, wenn die in ihm vorhandenen Ressourcen erschlossen, gebraucht und produktiv miteinander verknüpft werden. Von solch einer Verfasstheit ist unser politisch-administratives System ein erkennbares Stück entfernt. Wenn die nunmehrige Regierung hier nicht erste Schritte setzt, einige Impulse startet, wer sonst wird dies in den nächsten Jahren tun?