Deutschen Medien ist dieser Tage zu entnehmen, dass es unter den maßgeblichen Entscheidern der deutschen Sozialdemokratie allen Ernstes Überlegungen gibt, einen gewissen Kevin Kühnert (29) zum neuen SPD-Chef zu machen. Und damit zum Nachfolger von Staatsmännern wie Willy Brandt oder Helmut Schmidt. Kühnert verfügt über drei Jahre Berufserfahrung als Callcenter-Mitarbeiter, eine bemerkenswert große Klappe und linksextreme politische Ansichten. Einer breiteren Öffentlichkeit wurde er bekannt, als er in einem "Zeit"-Interview erklärte, BMW gehöre verstaatlicht. Dass die SPD auch nur daran denkt, so jemanden zu ihrem Vorsitzenden zu küren, hat eine geradezu bizarre Qualität. Kevin K. als Kanzlerkandidat der Sozialdemokratie - das ist ungefähr so, als würde die SPÖ Julia Herr (kann man googeln, wer das ist) mit ihren Vorstellungen von Venezuela als wirtschaftspolitischem Musterland zur Parteichefin küren und damit zur Kanzlerkandidatin machen.

Nun könnte man es getrost der SPD überlassen, sich endgültig aus dem politischen Ernsthaftigkeitsbogen ins Reich des Obskurantismus zurückzuziehen. Die Causa hat aber insofern Relevanz, als sie über Deutschland hinaus symptomatisch ist. Denn obwohl das völlige Versagen des Sozialismus als ökonomisches und gesellschaftliches Modell historisch bestens belegt und bewiesen ist, übt diese schädliche Ideologie noch immer - oder schon wieder - eine gewisse Faszination auf (zu viele) Menschen aus; ganz besonders auf Junge. Diese wählen in den USA oder Großbritannien überdurchschnittlich oft ewiggestrige Altlinke wie Bernie Sanders oder Jeremy Corbyn mit deren überwuzelten sozialistischen Parolen.

Verantwortlich dafür dürfte einerseits historisches Unwissen erheblicher Teile der jüngeren Generation sein, die vom systemimmanenten Versagen des Sozialismus in der Schule nichts erfahren hat und für eigene Anschauung einfach zu jung ist; und andererseits die nicht kleinzukriegende romantische Illusion, ein "Neuer Mensch" könne herangezogen werden, der vom Streben nach Gerechtigkeit, Gleichheit und materieller Bedürfnislosigkeit durchflutet werde.

Beides lässt sich offenbar, entgegen allen Lehren der Geschichte, politisch noch immer bewirtschaften.

In diesem eigentümlichen Klima erstaunt kaum noch, wenn etwa ein "Spiegel"-Kommentar der SPD empfiehlt, sich mit der ehemaligen Staatspartei der verbrecherischen DDR-Diktatur zu fusionieren, der früheren SED, die sich heute als "Die Linke" verkleidet. Sozialdemokraten, die sich mit direkten Nachfolgern des kommunistischen Unrechtsstaates zusammentun - eine solche Vorstellung wäre vor kurzem noch außerhalb jeder politischen Vorstellungskraft gewesen. Dass heute über so etwas auch nur diskutiert werden kann, zeigt, was sich da im Augenblick so verschiebt. Und zwar nicht nur ideologisch, sondern auch in der Realität. Seit etwa in Berlin die Enteignung von Immobilienunternehmungen immer wahrscheinlicher wird und der Wohnungsmarkt immer stärker reguliert wird, verlieren die großen Anbieter von Wohnraum massiv an Wert, was zu weniger Wohnungsneubau und noch mehr Knappheit führen wird.

Wieder einmal gilt: Die Geschichte lehrt uns, aber es hört keiner zu.