Veronika Gmachl studierte Lehramt für Biologie und Mathematik sowie International Management. Sie ist Geschäftsführerin der NE Österreich GmbH | Brockhaus. - © Patrick Langwallner
Veronika Gmachl studierte Lehramt für Biologie und Mathematik sowie International Management. Sie ist Geschäftsführerin der NE Österreich GmbH | Brockhaus. - © Patrick Langwallner

Als Kind verbrachte ich in den 1970ern und 1980ern viel Zeit im Wald, auf dem Bauernhof und in den Wirtshäusern der Verwandtschaft. Wir hatten ein Vierteltelefon mit Wahlscheibe. Im Büro meines Vaters lernte ich eine großartige Erfindung kennen: eine Schreibmaschine, bei der man einzeln Zeilen korrigieren konnte, bevor man sie von den Typen über das Farbband auf Papier drucken ließ. Das Versprechen großer Ersparnisse - an Papier und auch an Arbeitszeit - ermöglichte und rechtfertigte die hohe Investition.

Später bekamen mein Bruder und ich einen Commodore 64 von unseren Eltern. Wir saßen vor dem schwarzen Bildschirm mit den grünen Punkten und brachten uns selbst das Programmieren bei. Wir spielten und lernten dabei, brachten einer englischen Sprachsoftware bei, deutsche Worte richtig auszusprechen, entwickelten kleine Programme. Die Matura war von der Digitalisierung jedoch eigentlich unbeeinflusst, obwohl neben dem Raum, in dem wir auf Schreibmaschinen das Zehn-Finger-System lernten, ein EDV-Labor eingerichtet worden war - ausgestattet mit aussortierten Rechnern aus der Wirtschaft.

- © Illustration: stock.adobe.com/sdecoret
© Illustration: stock.adobe.com/sdecoret

Einige Jahre später verfasste ich meine Abschlussarbeit - zusätzlich zur verpflichtenden gedruckten Version - in HTML, um sie nicht im Keller der Hochschule verstauben sehen zu müssen. Es ging um den Zoo in der Schule und die Schule im Zoo, ich war sicher, dass der gesamte Lehrplaninhalt auch draußen in der Natur vermittelbar war, und wollte den Zwischenschritt der künstlichen Lebenswelt Zoo verwenden, um die Menschen der Schule näher an die "echte" Welt zu bringen. Die Abspaltung des Menschen von der Natur kam mir - und kommt mir immer noch - falsch vor. Durch diese auf der Hochschul-Website verfügbare Arbeit wurden einige Menschen, die sich mit ähnlichen Themen auseinandersetzten, auf mich aufmerksam, und ich erkannte, dass es stimmt: Das Internet ist ein großartiges soziales Interaktionstool.

Eine bewusste Bildung neuer Gewohnheiten ist gefordert

In der Zwischenzeit haben sich die Technologie und ihre Anwendungsmöglichkeiten so weit voranentwickelt, dass es schwerfällt, all ihre Möglichkeiten zu überblicken. In der seit zirka 1800 existierenden Enzyklopädie, für die ich heute in Österreich Verantwortung trage, wird das so beschrieben: "Digitalisierung, im ursprünglichen Sinn die Umwandlung analoger Signale in digitale Daten, die mit einem Computer weiterverarbeitet werden können, in einem weiteren Sinn der Prozess einer alle Lebensbereiche umfassenden Transformation hin zu einem Dasein, dass von digitalen Daten bestimmt wird."