Möglichst oft hin und her: Matkot am Strand. - © Öster. Botschaft in Israel
Möglichst oft hin und her: Matkot am Strand. - © Öster. Botschaft in Israel

Tel Aviv. Wie hieß es damals bei Robert Lembkes heiterem Beruferaten? "Machen Sie eine typische Handbewegung." Für alle, die Lembke und seine TV-Sendung nicht mehr kennen: Es ging dabei darum, anhand von wenigen Hinweisen, unter anderem eben einer "typischen Handbewegung", den Beruf eines Gastes zu erraten.

Was wäre aber nun eine "typische Handbewegung", an der man erkennt, dass ein Israeli gerade seine Freizeit genießt? Er oder sie würde wohl seine/ihre Hand (in der er/sie einen imaginären Schläger hält) rasch von rechts nach links bewegen. Denn er oder sie spielt gerade Matkot, eine in Israel perfektionierte Art des Strandtennis, die oft auch als Israels Nationalsport bezeichnet wird. Beim Matkot geht es nicht ums Gewinnen, es gibt auch keine Punkte. Das Ziel ist es vielmehr, den Ball so oft als möglich hin und her zu schlagen, dabei möglichst gut auszusehen sowie Strand und Sonne zu genießen. Ein israelischer Strand ohne Matkot-Spieler und das Tik-Tak ihres Spieles ist jedenfalls undenkbar.

Botschafter Martin Weiss - © Mahmoud Ashraf
Botschafter Martin Weiss - © Mahmoud Ashraf

Apropos Strand: Freizeit und Strand sind in Israel untrennbar miteinander verbunden. Israel erstreckt sich von Nord nach Süd entlang des Mittelmeeres mit mehr als 200 Kilometern an Sandstränden. Die Strandsaison ist lang, von März bis Dezember, und jede Art von Wasser- und Strandsportart wird betrieben: Tauchen, Kajakfahren, Kite-Surfen, Wellenreiten, Segeln, Windsurfen und, und, und. Dass Israel seine erste - und bisher einzige - Goldmedaille bei olympischen Sommerspielen im Windsurfen gewonnen hat (Gal Fridman, Athen 2004), erscheint so gesehen nur logisch.

Hund mit Botschafter.
Hund mit Botschafter.

Tel Aviv hat die weltweit
größte Hundedichte

Freizeit, das heißt in Israel aber auch sehr oft Hundezeit: Tel Aviv ist die Stadt mit der weltweit größten Hundedichte. 400.000 Menschen mit rund 36.000 Hunden leben hier, auf elf Einwohner kommt also ein Hund. Für alle, die denken, in Wien gäbe es viele Hunde - der Vergleich macht sicher: In Wien sind bei gut 1,9 Millionen Einwohnern derzeit rund 55.000 Hunde gemeldet, es kommt also gerade einmal ein Hund auf 34 Einwohner. Wäre Wien Tel Aviv, dann müsste es hier fast 150.000 Hunde geben!

Aber nicht nur die Zahl der Hunde ist in Israel rekordverdächtig, Tel Aviv trägt auch stolz den Titel "hundefreundlichste Stadt der Welt". Woran merkt man das? Hunde dürfen praktisch in jedes Café, Restaurant oder Geschäft mitgenommen werden, ebenso wie in Busse und Taxis. Bevor der Gast seine Bestellung aufgeben kann, bekommt der Hund schon seine Wasserschüssel hingestellt; und in mehr als 70 Hundeparks und auf vier Hundestränden sind Vierbeiner natürlich ebenso herzlich willkommen. Der beliebteste israelische Hundename? Seit Neta Barzilai 2018 mit ihrem Lied "I’m not your toy" den Eurovision Song Contest gewonnen hat, ist die Wahl eindeutig: Toy!

Meine Zeit als österreichischer Botschafter in Israel neigt sich ihrem Ende zu: Nach vier Jahren geht es im Herbst weiter in die USA. Washington, das ist für jeden Diplomaten eine spannende Aufgabe. Aber eines weiß ich schon heute: Meine Familie und ich werden Israel vermissen - und unser Hund sowieso!