8000. Das ist jene Zahl, die gemeinhin angegeben wird, wenn über Srebrenica gesprochen wird. Srebrenica, das ist eine Stadt in Bosnien und Herzegowina, nahe der Grenze zu Serbien. Aufgrund des Massakers, das sich hier vor 24 Jahren ereignete, steht Srebrenica oft gewissermaßen stellvertretend für all die Gräuel, die sich in den 1990ern in Südosteuropa ereigneten, während der Kriege, die das endgültige Auseinanderbrechen des sozialistischen Jugoslawiens begleiteten.

8000. Das ist die ungefähre Zahl der Toten, die man in Srebrenica zu beklagen hatte. Es waren fast ausschließlich Männer und Buben, von jung bis alt. Allesamt Angehörige der bosniakischen Volksgruppe. Sie wurden binnen weniger Tage hingerichtet. Die Vereinten Nationen haben die Taten der Einheiten von Ratko Mladic als Genozid klassifiziert.

Frontlinien mitten
durch Familien

Die Gedenkstätte für die Opfer des Massakers von Srebrenica. - © afp/Barukcic
Die Gedenkstätte für die Opfer des Massakers von Srebrenica. - © afp/Barukcic

Srebrenica war nicht das erste Massaker während des schrecklichen europäischen Blutvergießens der 1990er Jahre. Der Reihe nach erklärten die Teilrepubliken Jugoslawiens ihre Unabhängigkeit und reformierten sich schrittweise in Richtung Demokratie. Der Widerstand aus Belgrad fiel teils sehr heftig aus - und die Zustände waren oft, gerade in Bosnien und Herzegowina sowie im Kosovo, bürgerkriegsartig. Die Frontlinien verliefen nicht nur zwischen regulären Armeen, sondern auch entlang irregulärer Verbände. Vor allem aber verliefen sie zwischen Nachbarn und zum Teil mitten durch Familien.

Anschaulich wird das etwa in den Städten Sarajevo und Mostar, die multiethnisch waren und bis heute sind. Trotz aller Bemühungen um Frieden und Versöhnung, die es damals und auch seither immer wieder gab, heilen viele Wunden nur langsam. Manche heilen nie. Väter, Mütter, Geschwister, Verwandte und Bekannte - es gibt wohl niemanden in der gesamten Region, der nicht mindestens einen Toten im engeren Umfeld zu beklagen hat.

Mit dem Kosovo-Krieg 1999 war die Phase der größten Auseinandersetzungen vorerst vorbei, mit einigen Nachwehen. Natürlich hat sich seither viel getan. Besonders positiv sind etwa die EU-Beitritte Sloweniens und Kroatiens hervorzuheben. In diesen beiden Ländern ist der Übergang geglückt. Weniger Glück haben die Bürger Bosniens und Herzegowinas, des Kosovo, Nordmazedoniens, Montenegros und Serbiens. Sie sind allesamt in einer Warteposition, was die Zukunft betrifft. Sie alle orientieren sich - teils stärker, teils weniger stark - Richtung Europäische Union. Wohin denn auch sonst, stellt sich manch einer die rhetorische Frage. Doch diese Frage greift kurz, sehr kurz. Auch wenn sie auf den ersten Blick wenig naheliegend scheinen: Die Alternativen sind vorhanden. Und sie sollten uns nicht erfreuen.