"Wir machen uns zu viele Gedanken über Staatsschulden, aber zu wenig über Arbeitslosigkeit." Mit diesem Zitat war jüngst ein Interview mit dem US-Ökonomen Warren Mosler in der "Wiener Zeitung" über die Moderne Geldtheorie betitelt. In diesem Fall wie allgemein gilt: Wenn über einen vielfältigen Zusammenhang nur einfältig diskutiert wird, kann endlos diskutiert werden. Das trifft offensichtlich auch auf Diskussionen über diese angeblich moderne Geldtheorie zu. Einfältig wird aktuell über Staatsschulden und "Gelddrucken" der Zentralbanken gestritten. Um der gegebenen Vielfältigkeit gerecht zu werden, in die der Geldgebrauch eingebettet ist, müsste eine umfassende Wirtschafts- oder noch besser: eine umfassende Gesellschaftstheorie berücksichtigt werden.

Der Grund für das beschränkte Denken liegt in der erreichten extremen Arbeitsteilung, bei der die Experten all ihre Energie auf ihr Fachgebiet konzentrieren, mit der Folge, dass immer mehr Details und immer weniger Zusammenhänge bedacht werden. Mosler ist anscheinend kein solcher Experte: Er soll Ökonom, Autodesigner und Hedgefonds-Gründer sein, hat also einen breiteren Gesichtskreis. Er berücksichtigt folglich nicht nur die Geldtheorie, sondern auch die Situation der Arbeitslosigkeit (gemeint wird mit diesem unzutreffenden Ausdruck der Zustand, nicht erwerbstätig zu sein). Allerdings ist auch seine Sicht nicht umfassend genug.

Das Wirtschaftssystem besteht aus Produktion, Distribution und Konsumtion. Für das Subsystem Produktion ist das Leistungsvermögen (Kapazität der Produktionsmittel) wesentlich; für das der Distribution sind Geldverfügbarkeit, entsprechende Verteilungsorganisationen und Märkte entscheidend; für den Konsum ist es der Bedarf (privat und öffentlich).

Geld als ausgleichendes Steuerungsmittel

Für einen ungefähren Ausgleich von Bedarf, entsprechender Geldverfügbarkeit und Leistungsvermögen ist Geld das Steuerungsmittel. Geldpolitik, wie sie derzeit von den Zentralbanken betrieben wird, kann allerdings die erwünschten Ziele (zum Beispiel 2 Prozent Inflation im Fall der EZB) nicht erreichen, wenn die "kommunizierenden Röhren" Produktionskapazitäten, Bedarfsstruktur und Geldverfügbarkeiten nicht in ihrem gegenseitig abhängigen Zusammenhang berücksichtigt werden.