Vor einiger Zeit schwang sich die Europäische Union zum Retter des Freihandels auf. Kurz zuvor war Donald Trump in den USA zum
45. Präsidenten gewählt worden.
Ein Handelskrieg zeichnete sich ab. Die Globalisierung, die half, Millionen von Menschen weltweit aus
der Armut zu holen und den Wohlstand in Europa zu mehren, sollte verteidigt werden. Und so verhandelte die EU-Kommission für die Länder Europas weiter neue Freihandelsabkommen aus: CETA mit Kanada, JEFTA mit Japan oder EUSFTA mit Singapur wurden bereits erfolgreich besiegelt. Nun soll die Kür folgen: ein Abkommen mit den Mercosur-Staaten in Südamerika.

Auch bei diesem Abkommen werden die positiven Effekte überwiegen. Es bietet Investoren und Unternehmen Rechtssicherheit in einer nicht immer politisch stabilen Region,
und es winken niedrigere Zölle.
Den dortigen Volkswirtschaften
wird eine hohe Wachstumsdynamik vorausgesagt, womit auch der Absatz österreichischer Waren und Dienstleistung steigen soll.

Dennoch werden Abkommen hierzulande überwiegend mit Polemik begrüßt. Zwar gibt es auch berechtigte Kritik an der Transparenz der Verhandlungen, doch dazu mischen sich oft Mythen: die Angst vor Chlorhühnern und genmanipuliertem Essen auf dem Teller, die Mär vom zwangsprivatisierten Wasser oder Klagewellen gegen Umwelt- und Sozialstandards. Ganz vorne bei den großen Kritikern dabei ist stets das kleine Österreich. Dass noch keines der Horrorszenarien eingetreten ist, nimmt man als untrüglichen Hinweis darauf, dass man diesmal wieder Stimmung gegen das Freihandelsabkommen mit Südamerika machen muss.

Dabei mögen die Österreicher ihren Export. Gerne beliefert man die deutsche Autoindustrie oder verschifft den hiesigen Wein. Das sieht man hierzulande mit Wohlwollen, sichert das doch die gut bezahlten Arbeitsplätze. Aber nach zehn Jahren (!) Verhandlungen, die mit den unterschiedlichen Regierungen der Mercosur-Staaten geführt wurden, fällt es der Politik und einigen Lobbys nun wie Schuppen von den Augen: Auch die Südamerikaner würden am liebsten nicht nur deutsche Autos und österreichische Dosengetränke konsumieren, sondern auch gerne ihr Rindfleisch, ihre Sojabohnen und andere Erzeugnisse an die Europäer liefern.

Da zeigt sich die Hassliebe der Österreicher zum Freihandel. Zwar kauft und fährt man auch hierzulande gerne deutsche Autos, telefoniert mit amerikanischen Telefonen oder trägt italienische Mode, aber eigentlich sind Importe nicht so gerne gesehen. Wirft man dieser Tage einen Blick in die Zeitung, dann erwecken unsere Politiker den Eindruck, dass eine ideale Welt nur aus "regionalen Produkten" bestünde. Am liebsten hätten wir doch die Nike-Schuhe ‚made in Austria‘.

Genussvolle Produkte gibt es dafür aus der heimischen Landwirtschaft. Gerade aus dieser gibt es einen besonders lauten Aufschrei gegen das Abkommen.

Dabei ist es längst an der Zeit, dass die EU im landwirtschaftlichen Bereich ihren Protektionismus aufgibt und mehr Wettbewerb zulässt. Der Freihandel ist auch für Österreich und seine Landwirte keine Einbahnstraße.

Hanno Lorenz ist Ökonom bei der Denkfabrik Agenda Austria und forscht in den Bereichen Außenhandel, Armut
und Verteilung, Bildung und Digitalisierung.