Roboter, Künstliche Intelligenz und schlaue Algorithmen werden uns in Zukunft massenhaft Jobs wegnehmen und damit eine riesige Welle der Arbeitslosigkeit verursachen, die unsere Gesellschaften in ihrer Existenz gefährden könnte: Keine andere ökonomische Prognose ist derzeit so allgemein anerkannt wie diese. Der Roboter als Jobkiller ist sozusagen das wirtschaftspolitische Pendant zum Klimawandel. Bemerkenswert ist daran: Die apokalyptischen Prognosen vom Verschwinden der menschlichen Arbeitsplätze entfernen sich von Jahr zu Jahr immer mehr von der Faktenlage. Denn während überall auf der Welt schon jetzt immer mehr Automaten industrielle und gewerbliche Arbeit ersetzen, sinkt die Arbeitslosigkeit und steigt laufend die Zahl der Jobs, und zwar durchaus jener, die Menschen gegen Bezahlung verrichten.

Nur ein paar Zahlen dazu: In den OECD-Mitgliedstaaten ist die Arbeitslosigkeit so niedrig wie in den 1960ern, allein in den vergangenen fünf Jahren sind dort 41 Millionen neue Jobs entstanden. Fast alle wichtigen Industriestaaten der westlichen Welt melden extrem geringe Arbeitslosenraten und neue Beschäftigungsrekorde; in den USA etwa sind nur 3,8 Prozent arbeitslos - so wenige wie zuletzt vor 50 Jahren. Und das, obwohl entgegen einer weitverbreiteten Annahme der Anteil der traditionellen Vollzeitjobs seit mehr als einem Jahrzehnt nicht abnimmt, sondern auf hohem Niveau konstant bleibt.

Immer mehr Daten und Fakten deuten darauf hin, dass die so populäre Erzählung von der Rationalisierung, die uns früher oder später alle wegrationalisieren werde, schlicht und ergreifend Unfug ist. "Der Zeitgeist hat den Kontakt mit der Realität verloren", spottete der Londoner "Economist" jüngst in diesem Zusammenhang und diagnostizierte einen "großen Job-Boom".

Ausgelöst haben dürften diesen unerwarteten Boom mehrere Faktoren. Da ist einmal der massive Wirtschaftsaufschwung des vergangenen Jahrzehnts, der freilich eher früher als später enden wird. Dazu kommt aber vor allem, dass die Nachfrage nach Gütern oder Dienstleistungen nicht so begrenzt ist, wie die Schwarzmaler immer unterstellten. In Branchen, die noch vor zehn, zwanzig Jahren nicht einmal Utopie waren - App-Entwickler etwa -, arbeiten heute Millionen Menschen. Und es entsteht dauernd irgendwo neue Nachfrage: nach E-Mobilität, alternativer Energieerzeugung oder neuen Freizeitangeboten. In den USA etwa werden schon in fünf Jahren mehr Menschen hauptberuflich mit der Sorge um Alte ihr Geld verdienen, als es Sekretärinnen und Sekretäre in Büros geben wird.

Dazu kommt ein demografisches Phänomen: Junge neigen im Zweifel eher dazu, sich arbeitslos zu melden, während Alte ohne Arbeit tendenziell versuchen, in Pension zu gehen. Damit sorgt auch das Altern der Gesellschaften für etwas geringere Arbeitslosenzahlen. Vor allem aber macht - von Automatisierung getriebene - steigende Produktivität besonders wettbewerbsfähig, was zu Wirtschaftswachstum und damit Beschäftigung führt, was Länder wie Südkorea oder Japan mit ihrer besonders hohen Dichte an Robotern eindrucksvoll zeigen. Bad News also für jene, die eine vermeintlich drohende Massenarbeitslosigkeit politisch bewirtschaften wollen und "Maschinensteuern" fordern.