Mathias Binswanger: "Der Wachstumszwang". Verlag Wiley-VCH; 310 Seiten; 25,70 Euro
Mathias Binswanger: "Der Wachstumszwang". Verlag Wiley-VCH; 310 Seiten; 25,70 Euro

Das stetige Wirtschaftswachstum hat in vielen Ländern einen materiellen Wohlstand geschaffen, von dem frühere Generationen nur träumen konnten. Über lange Zeit leistete das Wirtschaftswachstum deshalb auch einen positiven Beitrag zum Wohlbefinden der meisten Menschen, und in vielen Ländern der Erde ist dies auch weiterhin der Fall. Im Vergleich zu früher können wir uns heute eine unglaublich luxuriöse Lebensweise leisten und leben im Durchschnitt wesentlich länger und gesünder als früher.

Doch in jüngster Zeit wird es in den wohlhabenden Ländern in Westeuropa, Nordamerika und Japan zunehmend fraglich, ob das Wachstum des Bruttoinlandprodukts (BIP) noch einen Beitrag zum Wohlbefinden der Menschen leistet. Wie viele Untersuchungen aufzeigen, führt dort weiteres Wirtschaftswachstum nicht mehr dazu, dass die Menschen im Durchschnitt glücklicher oder zufriedener werden.

In diesen Ländern werden sich die Menschen zunehmend bewusst, dass Wirtschaftswachstum zwar das Versprechen von steigendem materiellen Wohlstandes einlösen kann, aber trotzdem wesentliche Bedürfnisse unerfüllt bleiben. Tendenziell gilt: Je höher der materielle Wohlstand eines Landes bereits ist, umso weniger trägt ein weiterer Anstieg dieses Wohlstandes noch zur Steigerung des durchschnittlichen subjektiven Wohlbefindens bei.

Mathias Binswanger ist Professor für Volkswirtschaftslehre an der Fachhochschule Nordwestschweiz und gehört laut Ranking der "Neuen Zürcher Zeitung" zu den einflussreichsten Ökonomen der Schweiz (Buchtipp: "Der Wachstumszwang", Verlag Wiley-VCH). - © privat
Mathias Binswanger ist Professor für Volkswirtschaftslehre an der Fachhochschule Nordwestschweiz und gehört laut Ranking der "Neuen Zürcher Zeitung" zu den einflussreichsten Ökonomen der Schweiz (Buchtipp: "Der Wachstumszwang", Verlag Wiley-VCH). - © privat

Doch es geht nicht nur um den fehlenden Einfluss des Wachstums auf das subjektive Wohlbefinden der Menschen. Seit den 1970er Jahren traten zunehmend auch die Schattenseiten des Wirtschaftswachstums vor allem in Form von Umweltbelastungen und Übernutzung von natürlichen Ressourcen in Erscheinung. Zwar gelang es in der Folge, das Wachstum umweltschonender und weniger ressourcenintensiv zu gestalten, doch es hatte seine ökologische Unschuld verloren. Vor allem die CO2-Emissionen aus der Verbrennung von fossilen Brennstoffen und die damit verbundene Klimaerwärmung sind seit mehr als 30 Jahren ein Dauerthema, das die ökologische Kritik am Wachstum am Laufen hält.

Weiteres Wirtschaftswachstum ist nicht mehr notwendig

Deshalb fordert eine ganzen Reihe von ökologisch orientierten Ökonomen und Aktivisten aus ökologischen Gründen eine Abkehr vom Wirtschaftswachstum. Vereinfacht wird dabei meist folgendermaßen argumentiert. Wir haben heute einen so hohen materiellen Wohlstand erreicht, dass ein weiteres Wirtschaftswachstum nicht mehr notwendig ist. Auf der anderen Seite nehmen aber negativen Folgen dieses Wachstums immer mehr zu, da wir mit dem Wirtschaftsprozess Raubbau an der Natur betreiben und die Umwelt schädigen. Also, so argumentiert man weiter, sollte die Wirtschaft in einer zukünftigen Postwachstumsgesellschaft nicht mehr auf Wachstum ausgerichtet sein, sondern stattdessen andere Ziele wie Nachhaltigkeit oder Lebenszufriedenheit der Menschen in den Vordergrund stellen. Einige Autoren gehen sogar noch weiter und fordern ein negatives Wachstum (Degrowth).