Ich rannte.

Ich rannte, so schnell ich konnte durch den Schlamm, barfuß. Ich wusste, dass das meine einzige Chance ist. Ich wusste, dass mein Mann mich töten würde, wenn ich stehenblieb.

Als Boko Haram mein Dorf angriff, war ich zwölf. Männer kamen auf Motorrädern und brannten unser Dorf nieder. Sie kamen in unser Haus und schrien uns an, bevor sie meinen Cousin und einen Nachbarn töteten, der nur kurz bei uns vorbeigekommen war. Dann nahmen sie mich und meine zwei jüngeren Brüder mit.

Zwei Tage lang fuhren wir auf Motorrädern, ohne zu wissen, wohin. Abends, als wir Halt machten, um zu schlafen, wollte ich fliehen. Doch die Männer bewachten uns scharf. Ich wagte nicht, mich zu bewegen oder zu sprechen, weil ich annahm, sie würden mich sofort töten. So wie sie meine Brüder auf dem Weg hierher getötet hatten. Schließlich erreichten wir ein Lager mitten im Sambisa-Wald. In den nächsten fünf Jahren würde dies hier mein Zuhause sein.

21 Mädchen in einem Käfig - Ausgang nur für zwei pro Tag

Die Männer sperrten mich in einen Käfig mit 20 anderen Mädchen. Die meisten von ihnen waren in meinem Alter. Wir hatten nichts zu essen und durften den Käfig nicht verlassen. Nur zwei von uns durften einmal täglich hinaus, um Essen zu suchen. Meistens sammelten wir Feuerholz und Blätter, aus denen wir Suppe kochten. Wir hatten keine Seife, daher verwendeten wir Asche vom Feuerholz, um uns zu reinigen. Im Käfig gab es nichts zu tun, also haben wir uns unterhalten, gebetet und geschlafen. Das Schlimmste war, wenn die Männer von Boko Haram uns als Zuschauer für öffentliche Hinrichtungen benutzten. Wir mussten brutale Steinigungen und Exekutionen mitansehen. Ich bekomme diese Bilder nicht mehr aus meinem Kopf. Wenn wir auch nur einen Mucks machten, wurden wir mit 80 Schlägen auf den Rücken bestraft. Ab und zu kamen einige der Kämpfer in den Käfig, um sich Mädchen auszusuchen, die sie heiraten wollten. Wir wurden wie Vieh behandelt.

Ich wurde dreimal ausgewählt. Jedes Mal musste ich zu dem Mann in seine Hütte umziehen. Zu Gesicht bekommen habe ich ihn nur, wenn er mich vergewaltigte. Er zwang mich, meine Kleider auszuziehen. Wenn ich mich widersetzte, schlug er mich, drohte, mich zu töten, oder band meine Hände und Füße an die Holzpfosten der Hütte. Eigentlich war mir der Käfig lieber. Ich war nicht alleine, und niemand belästigte mich. Zweimal kam ich zurück in den Käfig, wahrscheinlich, weil meine Ehemänner getötet worden waren.

Im achten Monat schwanger nur knapp dem Tod entronnen

Mein dritter Mann war der schlimmste, mit ihm war ich am längsten zusammen, ungefähr ein Jahr lang. Er hasste mich am meisten von seinen drei Ehefrauen. Ich durfte nicht mit den anderen Frauen sprechen, weil er der Ansicht war, ich hätte einen schlechten Einfluss auf sie. Sogar als ich schwanger wurde, drohte er mich zu töten. Von meinem ersten Ehemann war ich einmal schwanger, aber mein Kind starb. Ich konnte es nicht stillen, weil ich selbst nichts zu essen hatte.