Eines Tages beschloss mein dritter Mann, seine Drohung Wirklichkeit werden zu lassen und mich zu töten. Ein paar der Kämpfer brachten mich zum öffentlichen Hinrichtungsort, wo ich festgebunden wurde. Ich sollte nach dem Morgengebet getötet werden. Eine der anderen Frauen kam zu mir, als sie weg waren, und sagte, sie würde mich losbinden - unter der Bedingung, sie nicht zu verraten, falls ich gefasst würde.

Ich hinke, weil mein rechter Fuß von all den Schlägen mit Stöcken und Seilen kaputt ist. Die Flucht war schwierig, denn ich war im achten Monat schwanger. Mein Herz raste vor Panik, dass die Männer mich einholen würden. Als es dunkel wurde, dachte ich, ich hätte mich verirrt, aber dann fand ich eine Straße. Ein paar Meter weiter war eine Straßensperre mit Soldaten. Voller Hoffnung ging ich auf sie zu, aber als sie mich erblickten, schrien sie, ich sollte stehen bleiben. Sie zwangen mich, mich auszuziehen. Ich verstand es nicht. Waren sie auch Boko-Haram-Kämpfer? Später erklärten sie mir, dass sie mich auf Bomben untersuchen mussten. Mädchen werden oft als Selbstmordattentäterinnen eingesetzt.

Nach drei Tagen hat mich das Militär in ein Lager überstellt. Hier ist jetzt mein Zuhause. Hier habe ich meine Tochter geboren. Sie bedeutet alles für mich. Ich bin seit sechs Monaten in diesem Camp, und zum ersten Mal fühle ich mich wieder sicher. Ich besuche hier oft das Frauenzentrum und spreche mit meiner Betreuerin von Care. Sie ist wie eine Schwester für mich geworden und die Einzige, der ich wirklich vertraue. Sie hilft mir, mit den Erinnerungen, die ich am liebsten auslöschen würde, klarzukommen. Sie verfolgen mich nach wie vor.

Mein Vater war Priester. Meine Mutter hat sich um mich und meine sieben Brüder und Schwestern gekümmert. Früher habe ich in einem Chor gesungen. Ich war glücklich. Mein größter Wunsch ist, meine Familie wiederzusehen. Allerdings weiß ich nicht, wo sie ist - und ob noch jemand lebt.