Die Biografie der Gestalterin des Logos der Salzburger Festspiele lag lange Zeit im Dunkeln. - © apa/Barbara Gindl
Die Biografie der Gestalterin des Logos der Salzburger Festspiele lag lange Zeit im Dunkeln. - © apa/Barbara Gindl

"Entjudungserlös Helene Taussig" lautete der Name eines NS-Sperrkontos bei der Landes-Hypothekenanstalt Salzburg im Jahre 1942. Hinter diesem Sperrkonto, auf das 17.100 Reichsmark einbezahlt wurden, steht eine Salzburger Tragödie, die im Laufe von Jahrzehnten zur Erinnerungslücke geworden ist.

Helene Taussig, Malerin und Eigentümerin einer Ateliervilla in Anif bei Salzburg, war kurz vor ihrer Ermordung durch die NS-Schergen, im März 1942, behördlich gezwungen worden, ihr Haus zu verkaufen. Käufer der Villa war der angesehene Salzburger Hofrat Josef Wojtek, der unter anderem auch als zuständiger Beamter für konfiszierte Repräsentationsgebäude in Erscheinung trat. Bereits im Frühjahr 1938 war er - nach der Enteignung von Max Reinhardt - kommissarischer Leiter des Schlosses Leopoldskron.

Rund um Weihnachten 1942 zeigte sich der Hofrat von seiner großzügigen Seite und schenkte seiner Tochter Poldi Wojtek, Grafikerin und Gestalterin des bis heute offiziellen Logos der Salzburger Festspiele, die Ateliervilla. "Aryanization" ("Arisierung"), vermerkten die US-Militärbehörden nach dem Krieg auf dem Kaufvertrag (wenn man es so nennen kann) des Vaters Wojtek und auf dem Schenkungsvertrag an seine Tochter. Diese nahm die Schenkung gerne an, denn das Haus, das ihr Vater am 1. Oktober 1941 "ohne jeglichen Druck auf Fräulein Taussig rechtmäßig erworben" hatte, wie sie den US-Militärbehörden 1946 mitteilte, sei schließlich seit Jahren leer gestanden. Die Vorbesitzerin sei aus der Gemeinde Anif hinausgeworfen worden und "starb kürzlich in Polen".

Ein Hakenkreuz-Gobelin
und ein Hitler-Kinderbuch

Die Grafikerin Poldi Wojtek war von 1932 bis 1941 mit Kajetan (Kai) Mühlmann, einem Kunsthistoriker, SS-Offizier und späteren NS-Kunsträuber verheiratet. Durch das NS-Netzwerk ihres Ehemannes erhielt sie zahlreiche Aufträge, wie unter anderem den Entwurf eines Gobelins für das Ärztehaus in Linz, mit NS-Reichsadler und Hakenkreuz samt Zitat Adolf Hitlers aus dessen Linzer Rede vom 12. März 1938.

Schon 1936 illustrierte Wojtek, im Katalogisat als "Leopoldine Mühlmann" bezeichnet, ein propagandistisches Kinderbuch, das Hitlers Lebensgeschichte idealisierte. Der Text zu ihren Illustrationen stammte von Karl Springenschmid, jenem völkischen NS-Schriftsteller, NSDAP- und SS-Mitglied, der als einer der Hauptverantwortlichen für die Bücherverbrennung auf dem Salzburger Residenzplatz am 30. April 1938 gilt.

Jahrzehnte hindurch arbeiteten die Salzburger Festspiele mit dem Logo von Poldi Wojtek, einer Künstlerin, die offiziell so gut wie keine Biografie hatte und dadurch als neutral und politisch unverdächtig galt. Doch zwischen 1933 und 1945 war sie weder ahnungslos noch unpolitisch, sondern Profiteurin der Zeit und des NS-Regimes. Diese Erinnerungslücke hat "Memory Gaps" geschlossen und gab der Gestalterin des Logos der Salzburger Festspiele Teile ihre Biografie zurück. Keine Rückerstattung im Sinne von Restitution, sondern das Füllen einer jahrzehntelang weitgehend offengelassenen Leerstelle.