Clowns sind sie beide nicht, Boris Johnson und Donald Trump, obwohl durchaus seriöse Medien wie "Die Presse" oder "Der Spiegel" so titeln. Mit ihrer Performance sind US-Präsident Trump und der neue britische Premier Johnson den Fantastereien des Barons von Münchhausen ein Stück näher, die Auswirkungen sind aber real und gewaltig. Werte und Gewissheiten werden auf den Kopf gestellt.

"Meine Rhetorik führt die Menschen zusammen", posaunte etwa Trump nach dem Massaker von El Paso vom 3. August mit 22 Todesopfern. Johnson wiederum schwadronierte nach seinem Amtsantritt als britischer Premierminister am 24. Juli in Trump-Manier: "Wir werden das Königreich wieder groß machen." Selbst die internationale Politik läuft so Gefahr, den Methoden des Wahlerfolgs zu gehorchen und nicht dem Ziel, das Zusammenleben der Völker zu verbessern. Die beiden Dominatoren der angelsächsischen Welt arbeiten mit politischen Methoden, die neben ihrem Populismus das seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion vorherrschende Kooperationsmodell über den Haufen werfen. Einige Beispiele:

Gerfried Sperl war von 1992 bis 2007 Chefredakteur des "Standard". Er gibt die Booklet-Reihe "Phoenix" heraus (Kontakt: gerfried.sperl@gmx.at). - © apa/Hbf/Dragan Tatic
Gerfried Sperl war von 1992 bis 2007 Chefredakteur des "Standard". Er gibt die Booklet-Reihe "Phoenix" heraus (Kontakt: gerfried.sperl@gmx.at). - © apa/Hbf/Dragan Tatic

Bündnisbrüche: US-Präsident Trump hat seit seiner Machtübernahme mit Ausnahme der Nato fast alle internationalen Bündnisse aufgekündigt und Stabilität durch Labilität ersetzt. Johnson folgt ihm darin.

Russland vor China: Der Energielieferant Russland wird von allen Populisten dieser Welt bevorzugt. China, dessen wissenschaftlicher Vormarsch offensichtlich ist, wird von der westlichen Politik und Bürokratie nicht begriffen.

Angst vor dem Islam: Seit den 1990er Jahren ersetzt die Furcht vor dem (politischen) Islam die ehemalige Konfrontation mit dem Kommunismus. Das erzeugt Fehleinschätzungen wie zum Beispiel in der Flüchtlingsfrage.

Sieg-oder-Niederlage-Mentalität wie beim Boxen und Ringen

Die Kündigung des Atomvertrags mit dem Iran durch die Regierung in Washington ist möglicherweise folgenschwerer als der an Schärfe zunehmende Handels- und (nun auch) Finanzkrieg zwischen den USA und China. Beide Konflikte entspringen der Sieg-oder-Niederlage-Mentalität in den männlichen Schwergewichtsdisziplinen des Boxens und Ringens.

Wie schon mehrmals in den vergangenen 20 Jahren haben Kriege und Konflikte im Nahen Osten Europa am meisten betroffen. Nicht zuletzt deshalb, weil deren Brisanz den Öl- und damit die Benzinpreise beeinflusst hat. Der Atomvertrag zwischen den USA, Russland und der EU einerseits sowie dem Iran andererseits hat die Märkte beruhigt und der Wirtschaft genützt. Seine Kündigung durch Trump hat neue Unruhe erzeugt und Preise wieder angetrieben. Würde nun Großbritannien nach einem Brexit den militanten US-Kurs mitmachen, wäre Feuer am Dach. Der Benzinpreis stiege auf über 2 Euro pro Liter. Flüchtlinge machten sich erneut auf den Weg. En masse.