Im März haben die Aufsichtsbehörden und Fluggesellschaften auf der ganzen Welt die Boeing 737 Max gegroundet, nachdem binnen fünf Monaten zwei brandneue Flugzeuge abgestürzt waren und 346 Menschen an Bord in den Tod gerissen hatten. Auch wenn die Entscheidung vernünftig war, war sie sehr teuer.

In seinem zweiten Quartalsergebnis von 2019 schätzte Boeing, dass Turbulenzen im Zusammenhang mit dem Grounding der Boeing 737 Max zu einem Rückgang von umgerechnet 5 Milliarden Euro bei Umsatz und Vorsteuerergebnis im Quartal führen werden. Aber der Hersteller war nicht der Einzige, der in eine finanzielle Katastrophe geriet.

Auch Fluggesellschaften, die bereits Boeing 737 Max im Einsatz hatten, bekamen nicht nur finanzielle, sondern auch logistische Probleme. Insgesamt blieben 393 Flugzeuge auf dem Boden, dennoch mussten die Airlines ihre Flüge planmäßig fortsetzen, was Leasingfirmen in diesem Sommer sehr freute. Die hohe Nachfrage führte zu einem Anstieg der Leasingpreise, ein Flugzeug konnte da 310.000 bis 360.000 Euro mehr kosten.

Darüber hinaus konnten die Fluggesellschaften nicht einfach ihr Personal entlassen und mussten die Gehälter weiter zahlen. Für ein Flugzeug werden 12 bis 16 Piloten benötigt, die 180.000 Euro und mehr pro Monat kosten. Das sind also insgesamt fast 71 Millionen Euro pro Monat für die Piloten aller 393 gegroundeten Flugzeuge.

Daneben benötigt jedes Flugzeug auch etwa vier Personen, die als Ingenieure oder in der Wartung arbeiten. Obwohl sie gegenwärtig keine Dienstleistungen anbieten, kosten sie etwa 27.000 Euro pro Monat und Flugzeug. Insgesamt sind dies also etwa 10,6 Millionen Euro.

Und mit dem Mangel an betriebsbereiten Flugzeugen kommt es zu Störungen. Die EU-Verordnung 261/2004 schützt die Fluggäste bei Verspätungen und Annullierungen und gewährt Entschädigungen von bis zu 600 Euro pro Fluggast. Berechnungen zeigen, dass eine Boeing 737 MAX im Durchschnitt 350 Flugstunden pro Monat in der Luft wäre, das wären 116 Flüge. Etwa 1 Prozent der Flüge haben Verspätungen, und davon sind etwa 374 Passagiere betroffen. Die Ausgleichszahlungen für sie würden sich im Durchschnitt auf rund 135.000 US-Dollar belaufen.

Weitere zusätzliche Kosten könnten bis zu 270.000 Euro pro Monat betragen. Insgesamt sind dies also etwa 900.000 Euro Verluste für ein Flugzeug pro Monat!

Während diese Zahlen möglicherweise aus der Luft gegriffen scheinen, haben einige Fluggesellschaften ihre Zahlen schon veröffentlicht. Laut "FlightGlobal" erwartet etwa American Airlines einen negativen Effekt des Groundings von bis zu 165 Millionen Euro, da die Fluggesellschaft allein im zweiten Quartal 7800 Flüge annullieren musste.

Das Grounding ihrer 18 Boeing 737 Max belastete das Ergebnis der Norwegian Airline bis Mitte Juli um zusätzliche 73 Millionen Euro. Und Ryanair musste ihr geplantes schnelles Wachstum neu überdenken. Die Fluggesellschaft hatte 50 Maschinen bestellt - wird das Verbot nicht bis Ende November aufgehoben, muss sie möglicherweise den Flugplan für den Sommer 2020 anpassen.

Es sind schon einige Monate vergangen, seit das Modell Boeing 737 Max auf der ganzen Welt gegroundet wurde, aber es sieht ganz danach aus, als ob die Geschichte noch nicht vorbei wäre. Erst die Zeit wird zeigen, wie viel mehr die Industrie verlieren wird, bis das Verbot aufgehoben wird.

Gediminas Ziemelis ist Präsident des Verwaltungsrates der Avia Solutions Group, eines Zusammenschlusses litauischer Unternehmen und staatlicher Institutionen im Luftfahrtsektor, die infrastrukturelle Lösungen für Fluggesellschaften und Reisedienstleistungen anbieten.