1158 Euro pro Monat - besonders viel ist das nicht. Österreichische Pensionisten mussten sich 2018 im Schnitt aber genau damit begnügen. Mehr hat die staatliche Pensionsversicherung nicht zu bieten. Zahlreiche Studien zeigen, dass die meisten Österreicher den Gedanken an die Finanzierung ihrer Pension vor sich herschieben. Angesichts des demografischen Wandels, staatlicher Defizite und Nullzinspolitik sieht
die Entwicklung für die nächsten Jahrzehnte alles andere als rosig aus. Auch wenn es Österreichern im Vergleich zu anderen Ländern noch relativ gut geht - das Wort Pensionslücke ist schon fast eine Untertreibung, und Altersarmut ist vom medialen Mythos zur realen Gefahr geworden.

Ausgerechnet dann, wenn man Zeit und Muße für die schönen Dinge des Lebens hat, muss also der Gürtel enger geschnallt werden. Dessen sind sich die Österreicher laut einer Umfrage von Valida Vorsorge Management aber auch bewusst. Von den rund 2000 befragten unselbständig Beschäftigten gab nur etwa jeder Zehnte an, später einmal von der staatlichen Pension gut leben zu können - wobei mit 13 Prozent die Rate bei den Männern beinahe doppelt so hoch war wie bei den Frauen (7 Prozent). Geschlechterunabhängig wird mit einer Pensionslücke von 771 Euro gerechnet. Allerdings erachten fast alle Befragten (92 Prozent) Vorsorge als sehr wichtig oder wichtig. Den Österreichern ist also bewusst, im Ruhestand Abstriche bei der Lebensqualität machen zu müssen, doch es mangelt oft daran, die Thematik strukturiert in Angriff zu nehmen.

Allerdings kann man nicht alle Österreicher in einen Topf werfen, denn eine Studie des Österreichischen Verbands Financial Planners zeigt, dass es für einen Großteil der Befragten (88 Prozent) "sehr realistisch" beziehungsweise "realistisch" ist, den gewohnten Lebensstandard auch im Ruhestand beibehalten zu können. Von medialen Diskussionen rund um die Altersarmut lassen sich Kunden professioneller Finanzberater nicht verunsichern: 96 Prozent blicken "sehr optimistisch" oder "optimistisch" in die Zukunft. Die Befragung bezieht sich dabei keineswegs nur auf die oberen Zehntausend, sondern inkludiert verschiedenste Vermögensgruppen. Es ist ein weit verbreiteter Irrglaube, dass sich nur die Elite Finanzberatung leisten kann. Gerade bei der Altersvorsorge wäre es fahrlässig, sich auf die staatliche Unterstützung alleine zu verlassen.

Bei der Altersvorsorge ist es wesentlich, sich selbst nicht durch idealisierte Vorstellungen zu blockieren. Bevor man sich für eine Vorsorgelösung entscheidet, ist es essenziell, den persönlichen Bedarf realistisch einzuschätzen: Errechnen Sie auf Basis Ihrer Fixkosten, wie viel Ihre persönliche Lebensführung im Ruhestand ungefähr kosten wird. Führen Sie sich vor Augen, dass Ihre Pension im schlimmsten Fall mehr als 50 Prozent unter Ihrem letzten Einkommen liegen wird. Beziehen Sie auch etwaige Kosten für Pflege und Altersheim mit ein und überlegen Sie, wie viel Kapital Sie wann verschenken oder vererben möchten oder können. Und eine Vorsorgelösung muss man sich langfristig leisten können - auch in Zeiten von Krankheit und Arbeitslosigkeit.

Gerade für junge Menschen ist eine aktive Auseinandersetzung mit der eigenen Altersvorsorge leichter gesagt als getan: Man möchte das Leben genießen und nicht gleich so große Teile des noch kleinen Einkommens in scheinbar unüberschaubare Sparpläne stecken, von denen man selbst nicht einmal Ahnung hat. Auch wenn bei Debatten rund um die Pensionsvorsorge oft der Teufel an die Wand gemalt wird, gilt: Lassen Sie sich nicht verunsichern! Das Pensionskonto der PVA zeigt nicht mehr und nicht weniger auf als jenen Betrag, der jedem Versicherten als Pension zustünde, würde er oder sie heute in den Ruhestand treten. Speziell bei jüngeren Menschen ist das nicht mehr als eine Momentaufnahme. Da es bis zu deren Pensionsantritt mit sehr großer Wahrscheinlichkeit zu weiteren - für die Versicherten einschneidenden - Reformen des Pensionssystems kommen wird, sind jedoch auch die jüngeren Österreicher im besonderen Maße gefordert. Auch wenn für viele Altersvorsorge noch kein Thema ist - es kann nicht schaden, sich frühzeitig damit auseinanderzusetzen. Sie werden es sich später einmal danken.

Otto Lucius ist Mitgründer und Vorstandsmitglied des gemeinnützigen Österreichischen Verbands Financial Planners, der seit
2001 höchste Beratungsstandards für Finanzdienstleister in Österreich etablieren und fördern will. Er ist auch Geschäftsführer der BEC GmbH, die Aus- und Weiterbildung im Bereich der Finanzdienstleistung anbietet, und lehrt als Professor an der Universität Liechtenstein.