Peter Pelinka ist freier Journalist und Gesellschafter der Medientrainingsfirma "intomedia". - © privat
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Am 24. April 1983 blieb die SPÖ mit mehr als 47 Prozent zwar stärkste Partei, verfehlte aber die absolute Mehrheit um zwei Sitze. Noch einmal stellte Kreisky die Weichen - zu einer Koalition mit der FPÖ, wo 1980 der liberal auftretende Norbert Steger den Deutschnationalen Alexander Götz abgelöst hatte. Fred Sinowatz selbst wäre lieber in der zweiten Reihe geblieben und schlug noch am Wahlabend Leopold Gratz als Kanzler vor - vergeblich.

Die dreijährige Amtszeit des Kabinettes Sinowatz/Steger war von zahlreichen Problemen überschattet: Der Konflikt zwischen Kreisky und CA-Generaldirektor Hannes Androsch wurde immer schärfer. Nachdem Finanzminister Salcher eine Sachverhaltsdarstellung über mögliche Steuerhinterziehungen von Androsch bei Gericht deponiert hatte, wurde er im Herbst 1984 durch Länderbank Generaldirektor Franz Vranitzky ersetzt. Dazu kam der blaue Dauerkonflikt: Jörg Haider, FPÖ-Obmann in Kärnten, ließ keine Gelegenheit aus, Steger zu kritisieren.

Dann explodierte ein neuer Wertekonflikt, jener zwischen "Ökologie" und "Ökonomie": Im Dezember 1984 kam es nach der Besetzung der Donauau bei Hainburg durch Gegner des geplanten Kraftwerks zu Konfrontationen mit Gewerkschaftern. Sinowatz verfügte über Weihnachten den Baustopp und eine Verhandlungsphase. Aber: Günther Nenning, Chef der Journalistengewerkschaft und ein Wortführer der Aubesetzer, wurde aus der SPÖ ausgeschlossen; er fungierte dann als ein Geburtshelfer der neu formierten Grünen.

Schließlich wurden enorme Verluste im Bereich der Verstaatlichten Industrie bekannt. Die internationale Stahlkrise hatte auch sie voll getroffen, kurzfristige Gewinne versprechende Ölspekulationen waren nicht erfolgreich, die Verstaatlichte Industrie hatte als zentrales Instrument des "österreichischen Weges" ausgedient.

Am folgenschwersten erwies sich aber die Affäre um Kurt Waldheim, der 1986 zum zweiten Mal nach 1971 als ÖVP-Präsidentschaftskandidat nominiert wurde. Am 4. Mai erhielt er im ersten Wahlgang 49,6 Prozent der Stimmen, SPÖ-Kandidat Kurt Steyrer 43,7, im zweiten Wahlgang am 8. Juni siegte Waldheim mit 53,9 Prozent.

Diesem ersten großen konservativen Sieg seit 1970 war ein wahrlich historischer Wahlkampf vorausgegangen. Anfang März 1986 berichteten US-Zeitungen über angebliche NS-Verstrickungen Waldheims. Insbesondere über jene Lebensphase "eines der bestinformierten Abwehr- Offiziere der deutschen Wehrmacht am Balkan" (so Waldheim-Biograph Hanspeter Born), die Waldheim in seinen Angaben ausgeklammert hatte. Seine Beteiligung an Kriegsverbrechen wurde nie nachgewiesen, es blieb aber das Faktum bestehen, dass er seine Vergangenheit "geschönt" hatte. Die heftige Debatte darüber und über das 1987 gegen Waldheim erlassene Einreiseverbot für die USA ("watch list") demonstrierte, wie stark in Österreich nach 1945 grundsätzlichere Auseinandersetzungen mit der NS- Zeit verdrängt worden waren.