Einige haben es schon entdeckt: Mit dem Laptop kann man auf einer Reise zu einem Meeting im Zug arbeiten und ist im Gegensatz zu autotreuen Kollegen bestens vorbereitet. Wenn wir weiterhin fliegen, sollten wir zumindest die besonders schmutzigen Kurzstreckenflüge zu den großen Flugdrehkreuzen wie Frankfurt oder Wien vermeiden. Man kann auch mit der Bahn anreisen, ganz ohne Komfortverlust.

Ganz anders im täglichen Pendelverkehr: Da braucht man mit Zug und Bus oft bis zu dreimal länger. Bei der Wahl zwischen beispielsweise 40 Minuten oder 1,5 Stunden gewinnt das Auto, und daran wird auch ein Klimaticket, sei es noch so billig, nichts ändern. Politiker versprechen einen Ausbau der Pendlerstrecken. Aber in den Städten ist kein Platz für zusätzliche Pendlerautos. London reagierte mit einer Citymaut. Zunehmend überschreitet der Autoverkehr in den großen Städten die auf EU-Ebene vereinbarten Luftschadstoff-Grenzwerte. So werden wir bald über das Verbot von Verbrennungsmotoren in den Städten diskutieren.

Für den Umstieg auf die Öffis ist ein zuverlässiger Viertelstundentakt erforderlich, um Wartezeiten zu minimieren. Dazu ist rund um die Städte ein Ausbau der Bahnstrecken auf vier Gleise erforderlich, um einen Nahverkehr neben dem Fernverkehr zu ermöglichen. Die ÖBB haben sich dies zum Ziel gesetzt. Um wirklich rasch voranzukommen, müsste die Politik Geld aus dem Straßenbau zur Bahn umleiten. Doch ein Umlenken gefährdet Wahlergebnisse, so versenkt man weiterhin Geld in den Ausbau der Pendlerstraßen, die bei einem neuen Verkehrskonzept in 20 Jahren niemand mehr benötigen wird.

Autoindustrie in der Krise

Kurt Baier ist Energietechniker und Unternehmer. Sein Berufsweg ging von Wasserkraftwerken über Sonnenkollektoren, Geothermie, Fernwärmenetze bis aktuell zu Biomassekesseln. - © privat
Kurt Baier ist Energietechniker und Unternehmer. Sein Berufsweg ging von Wasserkraftwerken über Sonnenkollektoren, Geothermie, Fernwärmenetze bis aktuell zu Biomassekesseln. - © privat

Die Verbindung aus den weitverstreuten Siedlungen zur schnellen Bahn wird weiterhin nur mit dem Auto möglich sein. Brauchen wir dazu wirklich große SUVs oder genügen kleine fahrbare Regenmäntel? Parkplätze werden an den Bahnstationen notwendig werden. Hier wären kleinere Autos von Vorteil. Autonome Autos können nach Hause zurückkehren und nach den Eltern die Kinder transportieren. Klingt noch unvorstellbar, aber die Technik ist von solchen Lösungen nicht mehr weit entfernt.

Wie sind die Autokonzerne für diese Zukunft gerüstet? Aktuell ist die weltweite Stückzahl der abgesetzten Autos um 5 Prozent gesunken. Mit SUVs, die für das Klima kontraproduktiv sind, konnten die meisten Hersteller ihre Umsätze noch steigern. Doch "die Autoindustrie steckt in einer Absatz- und Gewinnkrise, die derzeit noch in erster Linie konjunkturell bedingt ist", beobachtet Gerhard Schwartz vom Wirtschaftsberater EY Österreich. "Alle großen Absatzmärkte schrumpfen - das führt zu einem stärkeren Preisdruck und zu rückläufigen Margen. Hinzu kommen hohe Investitionen in Bereichen wie Autonomes Fahren und Elektromobilität." Wenn die Autohersteller mit Sparen und Aussitzen reagieren, ist es um sie selbst und um unsere E-Mobilität schlecht bestellt.