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Ab dem 14. September 2019 gilt in der Europäischen Union eine neue Zahlungsdiensterichtlinie. Die PSD2 (Payment Services Directive II) soll Missbrauch bei elektronischen Zahlungen verhindern. Banken haben bereits begonnen, ihre Kunden an ein zweistufiges Authentifizierungssystem zu gewöhnen. Doch trotz der höheren Transaktionssicherheit für Endkunden birgt das neue System erhebliche Sprengkraft. Denn außereuropäische Drittanbieter können jetzt mit der Infrastruktur der Banken gute Geschäfte machen: Europas Banken sind ab dem 14. September verpflichtet, jeder beim Regulator registrierten Drittpartei gratis (!) 90 Tage Kontoinformationen der Kunden via Schnittstellen auszuhändigen und das Auslösen von Zahlungen direkt vom Girokonto zu ermöglichen - sofern die Kunden der Weitergabe zustimmen.

Gewiss: Schutz vor Missbrauch im Online-Zahlungsverkehr ist notwendig. Aber die PSD2 stellt speziell für Banken Chance und Risiko zugleich dar: Apple Pay, Google Pay oder PayPal ist es bald möglich, mit den Kundendaten anderer neue Mobile-Payment-Services anzubieten. Damit können sie die heimischen Banken aus der Wertschöpfungskette ausschließen und zu bloßen Infrastrukturerhaltern degradieren.

Apple hat dabei besonders gute Karten. Da Apple das iOS-Betriebssystem samt Kontaktlos-Chip (NFC) im iPhone kontrolliert, genügt ein einfacher Doppelklick auf den Home Button, um die mobile Apple-Geldbörse zu öffnen und Bezahl- und Kontodienste zu nutzen. Sollte es demnächst möglich sein, mittels Apple Pay auch den Kontostand abzulesen, hat der US-Riese die Bankkunden fest im Griff: Der Check des Kontostandes war bisher der wichtigste Grund für Kunden, die Banking-Apps ihrer Hausbanken zu nutzen. Ohne Gegenwehr werden die eigenen Services der Hausbanken nur noch mittelbar über einen Drittanbieter genutzt werden. Und im Fall von Apple Pay müssen die Banken dafür sogar noch Gebühren an Apple entrichten.

Die Banken sollten dieser Gefahr aber mit Mut begegnen. Die PSD2 bietet nämlich auch eine große Chance für neues Geschäft, wenn man Alternativen schafft, die Kunden honorieren. Ein Zahlungssystem "made in Europe", das europaweit funktioniert, wäre kundenorientiert und würde den Banken bei mobilen Transaktionen keinen Verlust bescheren, sondern sie an der Wertschöpfung teilhaben lassen. Erste Schritte wurden dazu bereits mit der europäischen Mobile Wallet Collaboration und der European Mobile Payment Systems Association (EMPSA) gesetzt. Banken könnten damit flächendeckendes mobiles Bezahlen via Banking-App mit Mobile-Payment-Funktion ausrollen. Die Kundenreise samt Datenhoheit und Erträgen bliebe dann bei ihnen.

Die komplette Digitalisierung der Debit- und Kreditkarten ins Handy wird jedenfalls genauso sicher kommen wie weitere Angriffe der großen Datenkraken. Deren Geschäftsmodell basiert darauf, Daten abzugreifen und mit neuen Services den Markt zu dominieren. Seien wir klug: Die Zusammenarbeit einzelner europäischer Einheiten, um gegenüber anderen Größen mit gewichtigerer Stimme sprechen zu können, ist das Grundprinzip der EU.

Christian Pirkner ist CEO der Blue Code International AG, die in Österreich die paneuropäische Mobile-Payment-Lösung Bluecode entwickelt hat (www.bluecode.com).