Kluft zwischen Theorie und Praxis - Regierung ist gefragt

In Österreich ist das System der geprüften und lizenzierten Gerichtsdolmetscher gesetzlich verankert, es besteht ein in Europa einzigartiger Rechtsrahmen mit Vorbildwirkung für viele Länder - theoretisch. In der Praxis bröckelt das System. Die Langgedienten unter den Qualifizierten verabschieden sich in den Ruhestand, die Aktiven arbeiten in finanziell lukrativeren Berufsfeldern, und die Jungen ziehen nach dem Studium die mühselige Arbeit bei Gericht erst gar nicht in Betracht. Dies ist vielen Gerichten und Behörden schmerzlich bekannt. Darüber jammert die Gerichtsdolmetsch-Community seit vielen Jahren. Der Berufsverband ÖVGD kämpft ergebnislos seit Jahrzehnten für eine Gebührenerhöhung.

Nun kommt aber wieder Bewegung in die Sache. Die Hoffnung auf eine angemessene Honorierung für hochqualifizierte Übersetzungs- und Dolmetschleistungen und ein durch eine hochqualitative Dolmetschung ermöglichtes faires Verfahren lebt. Es wird sich zeigen, ob die nächste Regierung eine korrekte Um- und Übersetzung findet.