Irene Giner-Reichl war bis Juli 2017 Österreichs Botschafterin in Peking und ist seither Botschafterin in Brasilien und Surinam. - © Außenministerium
Irene Giner-Reichl war bis Juli 2017 Österreichs Botschafterin in Peking und ist seither Botschafterin in Brasilien und Surinam. - © Außenministerium

Nächste Woche wird die UNO zu einem weiteren "Climate Action Summit" einladen: Es gilt dringend Wege zu finden, dass die Emissionen bis 2050 auf Null reduziert werden. Drei Jahre lang stabil, sind die Treibhausgasemissionen im vergangenen und im heurigen Jahr wieder angestiegen. Auch die weltweite Energienachfrage ist 2018 gestiegen, wobei der Löwenanteil der Zunahme vom - fossilen - Erdgas kam. Energieeffizienzgewinne verlangsamten sich.

Die vergangenen vier Jahre waren die vier heißesten seit Beginn der Aufzeichnungen. In der Arktis sind die Wintertemperaturen seit 1990 um 3 Grad Celsius gestiegen. Den Gletschern in Österreich kann man beim Schmelzen förmlich zusehen. Hitzewellen und andere extreme Wetterereignisse nehmen zu und bedrohen Gesundheit und Ernährungssicherheit.

Um die globale Erwärmung unter 1,5 Grad Celsius zu halten, müssen sich viele Bereiche wandeln, wie es in der Nachhaltigkeitsagenda 2030 vorgesehen ist, insbesondere Finanz, Energie, Transport und Industrie. Städte und lokale Initiativen werden wichtig sein. Wir müssen Lösungen wieder wertschätzen, die die Natur selbst bereitstellt. Wo Luftverschmutzung reduziert und menschenwürdige Arbeit geschaffen wird; wo Gemeinschaften sich auf bereits erfolgenden Klimawandel einstellen, führt dies unmittelbar zu einem besseren Leben für viele. Es erhöht auch die Akzeptanz für die nötige Energiewende-Politik.

Die globale Abkehr von nicht-nachhaltiger Energie schreitet viel zu langsam voran. Bei Fortschreibung der jetzigen Trends wird es 2030 immer noch 650 Millionen Menschen ohne Zugang zu Elektrizität und rund 2,2 Milliarden Menschen geben, die mit verschmutzenden Brennstoffen und Öfen ihr Essen bereiten. Dies perpetuiert Armut und ist schlecht für die Umwelt.

Energiewende und Ehrgeiz beim Klimaschutz brauchen alle Kreativität und alles Talent, das global verfügbar ist. Gerade auch das von Frauen. Der Sektor der Erneuerbaren Energien - der derzeit etwa elf Millionen Menschen beschäftigt - wird weiter anwachsen, sich wohl bis 2050 verdreifachen.

Frauen, die notorisch unterrepräsentiert sind, sollen an diesem Aufschwung gleichberechtigt mitwirken können. Es ist ihr Recht, und es ist gut für die Wirtschaft, wie im Welt-Entwicklungsbericht der Weltbank von 2012 bereits deutlich gemacht wurde. Das Weltwirtschaftsforum von Davos schlägt in die gleiche Kerbe: "Gender-Parität ist fundamental für die Frage, ob und wie Gesellschaften sich erfolgreich entfalten."

Als ehrenamtliche Präsidentin des Globalen Frauennetzwerkes für die Energiewende (www.globalwomennet.org), einer NGO, die Frauen im Energiebereich fördert, lade ich alle interessierten Frauen ein, sich mit anderen Frauen - auf Plattformen wie der unseren - zu vernetzen und ihre Klimaschutz-Ambitionen umzusetzen. Und an alle Entscheidungsträger appelliere ich, die Lebenserfahrung und Kreativität von Frauen und Männern zu nutzen. Eine raschere Energiewende ermöglicht es den Ärmsten der Welt, die Armut hinter sich zu lassen, und kann die Erwärmung in Grenzen halten, auf dass alle Menschen gut leben können.