In regelmäßigen Abständen taucht in den Medien das verpflichtende Pensionssplitting auf. So wurde dies bereits von Familienministerin Sophie Karmasin aufs Tapet gebracht. Vor der anstehenden Wahl kommt nun von der ÖVP erneut das verpflichtende Pensionssplitting medial zur Diskussion. Mit diesem hat der erwerbstätige Elternteil bis zu 50 Prozent seiner Pensionsgutschrift an den überwiegend erziehenden Elternteil zu übertragen. Dies bis zum zehnten Lebensjahr des Kindes. Wo liegt der Unterschied zum bisherigen Modell des Pensionssplittings?

Die Kinderbetreuungszeiten spüren Frauen Jahrzehnte später durch eine geringere Pension. - © dpa/Patrick Pleul
Die Kinderbetreuungszeiten spüren Frauen Jahrzehnte später durch eine geringere Pension. - © dpa/Patrick Pleul

Es gibt in Österreich bereits ein derartiges Pensionssplitting. Geregelt ist dies in Paragraf 14 des Pensionsgesetzes. Jedoch beruht dies auf freiwilliger Basis. Kaum jemand in Österreich weiß um die Möglichkeit des freiwilligen Splittings Bescheid. So wurden 2010 bis 2017 nur insgesamt 954 Anträge gestellt (bei insgesamt 3,3 Millionen Menschen, die bei der Pensionsversicherungsanstalt pflichtversichert sind).

Viele Frauen in Österreich verfügen aufgrund von Kinderbetreuungszeiten und Teilzeiterwerbstätigkeit einmal über keine oder nur eine geringe Eigenpension. Oft fallen sie durch eine Scheidung tief. Denn gelingt bei einer Scheidung der Frau nicht der Nachweis, dass den Mann zumindest das überwiegende Verschulden an der Zerrüttung der Ehe trifft, so bekommt sie allenfalls einen Notunterhalt, der meist nur sehr gering bemessen wird. Vorausgesetzt, die Leistung eines solchen Notunterhalts ist dem Mann zumutbar. Frauen, die also jahrelang der Familie zuliebe zurückgesteckt haben, kommen oft nach einer Trennung in sehr demütigende Situationen.

Festschreibung der tradierten Geschlechterrollen

Kritiker sehen das geplante Modell aber negativ. Mancher Ehepartner, der tatsächlich bei der Scheidung die Thematik der geringen Eigenpension der Frau aufgrund von Familienarbeit anerkennt, will für sie lieber in eine private Vorsorge als in ein Pensionssplitting investieren. Das staatliche Pensionssystem war und ist nämlich immer wieder Veränderungen unterworfen, sodass unklar ist, was einmal tatsächlich an staatlicher Pension herauskommen wird. Zudem meinen Kritiker, dass das Pensionssplitting für eine Festschreibung der tradierten Geschlechterrollen sorgen würde, wären doch die Frauen dadurch verleitet, in Teilzeit zu arbeiten oder gar keinem Erwerb nachzugehen. Hier bedarf es eines gesellschaftlichen Umdenkens - und zwar auch jeder und jedes Einzelnen -, dass eine Erwerbstätigkeit für eine Frau sehr wichtig ist.

Kritiker sollten sich hier auch mit der Faktenlage in Deutschland beschäftigen. Denn dort gibt es das Pensionssplitting (geregelt im deutschen Versorgungsausgleichsgesetz) bereits seit 2009, dies jedoch für die gesamte Ehedauer. 48 Prozent aller deutschen erwerbstätigen Frauen arbeiteten 2018 in Teilzeit, fast genauso hoch war der Anteil in Österreich. Das Pensionssplitting hat also keine Auswirkungen auf die Teilzeitquote.